Dienstag, 09.02.2010

Wein-Meinungsmacher auf Facebook


Facebook gewinnt für die internationale Weinszene mehr und mehr an Bedeutung als Plattform zum schnellen Informations- und Meinungsaustausch. Neben Hunderten von bekannten und weniger bekannten Weingütern, prominenten Weinmachern, Händlern, Managern und Agenturen nutzen vor allem zahlreiche Meinungsmacher seien es Journalisten, Autoren, Blogger oder auch Printmedien die Möglichkeiten, die ihnen dieses globale soziale Netzwerk bietet.

Der hier professionell gesammelte Informationsgehalt ist beachtlich und übertrifft in Sachen Wein alle anderen Netzwerke mit Ausnahme von Twitter. Relevante Nachrichten von der Eisweinlese in Deutschland, den Primeurpreisen in Bordeaux bis hin zu Parker-Punkten, Auktionsrekorden oder dem neuesten Branchenklatsch verbreiten sich dank dieser beiden Dienste heute weltweit praktisch in Echtzeit. Man muss nur die für die eigenen Interessen besonders relevanten Informationsquellen in entsprechend personalisierten Streams zusammenfassen und schon hat man seine eigene komplette Wein-Video-Nachrichten- und Bildershow.

Montag, 01.02.2010

Auch Vinum bekommt eine neue Optik


Die Szene der deutschsprachigen Weinzeitschriften bleibt in Bewegung. Nach dem erfolgreichen Falstaff-Relaunch in der vergangenen Woche, will sich jetzt auch das schweizerische Wein-Magazin Vinum in neuer Gestalt präsentieren. Dies berichtet der Schweizer Mediendienst Klein Report heute morgen. Dafür wurde das Blatt von der Designerin Katja Hölsli neu gestylt. Premiere wird in der April-Ausgabe sein. Klein Report zitiert Vinum Verleger Roland Köhler nach einem Gespräch: "Wir haben die Zeitschrift nicht neu erfunden, aber neu inszeniert. Mit Haptik, Layout, Redaktion, Themenwelten, Rubriken und Bildsprache wollen wir die Leser auf eine Zeitinsel entführen und sie für einige Stunden vom Alltag ablenken. Das neue «Vinum» solle eine Mischung aus Innovation und Tradition werden, das nicht nur Wissen und Tiefgang biete, sondern auch Ästhetik, Esprit und Sinnlichkeit. Allerdings muss Köhler - auch dies meldet Klein Report heute - erstmal den Abgang seines gerade erst neu eingestellten Verlagsleiters Andi Huggel verkraften. Dieser war zuletzt Verlagsleiter des dreisprachigen Migros-Kochmagazins «Saisonküche» und zuvor im Print- und Onlinebereich verschiedener Schweizer Verlagshäuser tätig. Noch sei die Nachfolge nicht geregelt. Vorübergehend wird Köhler dies selber übernehmen, zusammen mit seinem Stellvertreter Nicola Montemarano.
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Donnerstag, 28.01.2010

Thänk you ...


... for speising, trävelling änd not foning wiss se Deutsche Bahn. Nach langer Zeit mal wieder eine meiner Speisenwagengeschichten, gestern und heute zwischen Hamburg und Berlin. Zur Zeit wird dort sächsisch gekocht bzw. gemikrowellenherdet nach Rezepten von Dirk Schröer, Sterne-Koch aus dem Restaurant „Caroussel“ in Dresden.



Die Soljanka meines Nachbarn machte einen guten Eindruck: reiche Portion und animierender Duft. Auch meine Sauerkraut-Suppe mit Apfelmost und Kasseler war sehr appetitlich, während die Königsberger Klopse darunter litten, dass die Kapernsauce arg versalzen war. Wie kann das eigentlich bei einem Convenience Produkt aus der Plastiktüte passieren? Müsste da vielleicht eine ganze Lieferung zurückgerufen werden?

Mittwoch, 27.01.2010

Falstaff - Relaunch und Expansionspläne


Rechtzeitig zu seinem 30. Geburtstag wurde das österreichische Wein- und Genussmagazin Falstaff einem kompletten Relaunch unterzogen und damit auch fit gemacht für den in diesem Jahr geplanten Eintritt in den deutschen Zeitschriften-Markt. Am Mittwoch Abend wurde das neue Heft (01/2010) im Palais Schönburg in Wien der Öffentlichkeit vorgestellt, moderner, internationaler, 250 Seiten dick und 850 Gramm schwer. Schon allein dies stellt eine unübersehbare Kampfansage an die deutschen und vor allem Schweizer Mitbewerber dar, deren Umfänge derzeit deutlich geringer ausfallen.

Der neue Falstaff-Look wurde von dem renommierten Magazin-Designer Markus Rindermann geschaffen, der bereits das österreichische Nachrichtenmagazin "News" optisch überarbeitete und dessen unverkennbare Handschrift das Magazin "First" trägt. Rindermann zu seiner Falstaff-Idee: "Bei der Gestaltung des neuen Falstaff hatten wir ein perfektes Sechs-Gänge-Menü vor Augen, das durch seine Geschmacksvielfalt und Sinnlichkeit besticht und dessen Eindruck ein bleibender ist." In den vergangenen beiden Monaten wurden zudem in Wien neun neue Mitarbeiter für Redaktion und Verlag eingestellt darunter mit Bernhard Degen (38) auch ein eigener Chefredakteur für den Online-Auftritt. Degen hat Publizistik studiert, lange für die österreichische Nachrichtenagentur apa gearbeitet und in den vergangenen Jahren für die Tageszeitung "Kurier" die Gault-Millau-Seite und die Freizeit-Beilage konzipiert und verantwortet. Die neue Falstaff-Homepage wird ebenfalls heute Abend freigeschaltet.

Die Angst der Winzer vor der Freiheit


Ein Gespenst geht um unter Deutschlands Winzern. Im Juli dieses Jahres soll die sogenannte Pflanzrechtsregelung endgültig verschwinden. Dann darf jeder Rebenpflanzen wo und so viel er will. Dies ist ein wichtiger Teil der neuen EU Weinmarktsordnung und gut so. Die bisher übliche Praxis der gesetzlich gedeckelten Anbauflächen sollte die Qualität der Weine sichergestellt und eine Überschwemmung mit "Billig-Produkten" verhindern. Wie man leicht mit einem Blick in die Angebote der Discounter feststellen kann, hat diesses System gründlich versagt.

Montag, 25.01.2010

Klimawandel verändert Handelsströme


Der Klimawandel wird in Zukunft einen grossen Einfluss auf das Nahrungsmittelangebot und auf dessen geografische Verteilung haben. Zu diesem Schluss kommt Bernard Lehmann, Professor für Agrarwirtschaft am Institut für Umweltentscheidungen und Mitglied des Departement Agrar- und Lebensmittelwissenschaften der ETH Zürich. In einem Beitrag für den Klimablog der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETHZ) stellt er die These auf, dass das Bevölkerungswachstum und die veränderten Ernährungsgewohnheiten die künftigen Agrarhandelsströme stark verändern werden. Diese fliessen nach seiner Prognose künftig weniger von Süden nach Norden, sondern vielmehr umgekehrt. Der Schwerpunkt der Nachfrage nach Nahrungsmitteln werde sich tendenziell in die durch den Klimawandel beeinträchtigten Regionen verlagern. Lehmann: „Die Bevölkerungsentwicklung und die Ernährungsgewohnheiten werden dazu führen, dass Afrika in 40 Jahren 400 Prozent mehr, Asien 150 Prozent Mal mehr und Südamerika 60 Prozent mehr Nahrungsmittel benötigen wird. Die Nachfrage in Nordamerika und Europa wird dagegen nur um 20 Prozent ansteigen.“

Deutsche Twitter-Winzer


Weltweit gibt es inzwischen viele Hundert Weingüter, die via Twitter auf sich aufmerksam machen. Auch im deutschsprachigen Raum nutzen immer mehr Winzer diesen Microblogging-Dienst. Nach einer Weinreporter-Recherche besitzen derzeit bereits mehr als 60 rund 100 deutsche und österreichische Weingüter einen Twitter-Account. Die wenigsten von ihnen schöpfen aber wirklich professionell die Möglichkeiten aus, die ihnen Twitter bietet um sich beispielsweise eine regionale Basis oder eine Netzwerk im Handel, der Gastronomie bzw. in den Medien aufzubauen. Lediglich zehn Weingüter haben mehr als 300 Follower und nur fünf mehr als 1.000. Mehr als die Hälfte der Twitter-Winzer bleibt unter der Marke von 100 Followern und ist damit marginal bzw. irrelevant. Versuche beispielsweise Probepakete auf dieser Weise zu verkaufen sind in diesem Stadium völlig wirkungslos. Um dies einigermassen erfolgreich praktizieren zu können, sind erfahrungsgemäss einige Hundert treue Follower notwendig. Diese erreicht man aber nur, wenn man seinen Account m it regelmässigen Postings aktualisiert. Und genau da hapert es. Selbst von den Top Ten (nach Followern) haben nur sieben eine genügende Tweetfrequenz.
01 Johner (Weingut Johner, Baden)
2.132 Follower, 1.379 Tweets, 105 Listen
02 Wuertz (Königsmühle, Würtz/Weinmann, Rheinhessen)
1.878 follower, 4.669Tweets, 90 Listen
03 Drloosenwines (Weingut Dr.Loosen, Mosel)
1.547 follower, 364 Tweets, 125 Listen
04 Weinperle (Weingut Otto Pfaffmann, Pfalz)
1.327 follower, 21 Tweets, 37 Listens
05 Stantonywinery (Weingut St. Antony, Rheinhessen)
1.074 follower, 906 Tweets, 32 Listen
06 Winzerblog (Thomas Lippert, Kellermeister Weingut Clauer, Baden)
719 follower, 2.451 Tweets, 56 Listen
07 WeingutBastgen (Weingut Bastgen, Mosel)
686 follower, 19 Tweets, 26 Listen
08 Ritsch (Weingut Thul, Mosel )
609 follower, 2.474 Tweets, 37 Listen
09 deutzerhof (Weingut Deutzerhof, Ahr)
385 follower, 26 Tweets, 34 Listen
10 Weingut_Uebel (Weingut Uebel, Pfalz)
329 follower, 330 Tweets, 29 Listen
Eine komplette und ständig aktualisierte Liste der deutschen und österreichischen Twitter-Winzer gibt es hier beim Weinreporter.

Sonntag, 24.01.2010

Erste Wein-Liveshow im Internet


Gestern war es also endlich soweit: Premiere für die erste deutsche Wein-Live-Show im Internet „100° Oechsle“. Seit Wochen hatte die Blogggwart-Gemeinde darauf gewartet und pünktlich um 19.30 h waren Ton und Bild im Live-Stream in bester Qualität zu empfangen, nachdem die Zuschauer vor Ort in der Königsmühle endlich ihre Mobil-Telefone abgestellt hatten, auch absolut störungsfrei. Eine Aufzeichnung der Sendung gibt es hier bei tv-wurtz-wein.de.



Wie heute zu erfahren war, wurde die Download-Kapazität des Servers von 500 gleichzeitigen Zugriffen voll ausgeschöpft. Unter den Zuschauern waren auch prominente Kollegen wie Hendrik Thoma (TVino) aus Hamburg und Gary Vaynerchuck (Wine Library) aus den USA. Auf Twitter und Facebook wurde während der ganzen Sendezeit, aber auch noch danach eine sehr rege Kommentar-Tätigkeit registriert. Dirk „Blogggwart“ Würtz bot als Moderator eine unterhaltsame Talk-Show mit dem Schauspieler Michael Jäger (Marienhof) als „Stargast“, Gesprächspartnern aus der Szene oder seiner lokalen Nachbarschaft wie dem biodynamischen Bauern-Winzer und Panzerfahrer Walfried "Waller" Sander, dessen Bullenritt zu den Höhepunkten des Abends zählte. Das Format adaptierte und parodierte alle gängigen Vorbilder von Beckmann, Harald Schmidt und Gottschalk bis hin zur halbstündigen Überziehung. Selbst Balders fast vergessene Tuttifrutti –Show kam in Gestalt von leichtbekleideten Cola-Schoppen-Girls zu Ehren und der Glühwein-Test der „Weinkonsultenz“ war das beste zu diesem Thema seit Ekel Alfreds Weihnachtspunsch. „100° Oechsle" bot die unterhaltsame Mischung aus Information und Kabarett wie man sie von den Videos kennt, die Dirk Würtz seit einiger Zeit über seinen Blog ausstrahlt. Und ich hoffe auf baldige Fortsetzung.

Donnerstag, 21.01.2010

Südafrikas Weinexport soll zweistellig wachsen


Die Fussballweltmeisterschaft soll in diesem Jahr Südafrikas Weinexport weiter beflügeln. Trotz Wirtschaftskrise und eines 30prozentigen Kursanstiegs des Rand erwartet Südafrikas Weinindustrie für das Jahr 2010 eine deutliche weltweite Absatzsteigerung für ihre Produkte. Der Export von Flaschenweinen wird nach Ansicht von Su Birch, CEO von Wines of South Africa (WOSA), voraussichtlich um zehn bis 15 Prozent steigen. Dank der Fussballweltmeisterschaft, die vom 11. Juni bis 11. Juli in Südafrika stattfindet, gäbe es weltweit ein phänomenales Interesse an südafrikanischen Weinen. Die führenden Supermarktketten in Europas – allen voran Tesco und Sainsbury - planten Wein-Aktionen rund um dieses grösste sportliche Ereignis der Welt, zu dem 450.000 Besucher erwartet werden. WOSA wird diese Aktivitäten mit einer Serie von Braai-Festivals (Grill und Barbeque) in den wichtigsten. Exportmärkten wie Deutschland, Skandinavien, UK, Niederlande, Kanada und USA unterstützen.

Der Weinsalon als Online-Ereignis


Am vergangenen Wochenende fand im grossen Börsensaal der Hamburger Handelskammer der diesjährige Weinsalon statt. Es war der bislang fünfundzwanzigste, den ich seit den späten 1980er Jahren organisiert habe. Trotz Schnee und Eis war der Besuch gut und die meisten Aussteller zufrieden mit dem, was sie in den beiden Tagen erreicht haben. Ungewöhnlich und so noch nie dagewesen war die Präsenz der Wein-Onliner – Journalisten, Winzer, Weinfreunde, Händler. Allein auf Twitter gab es vor und nach dem Event über 300 Tweets, die sich mit dem #weinsalon beschäftigten. Dazu gabs viele Dutzend Einträge und Kommentare bei Facebook, Posterous, identi.ca usw.. Hier eine kleine Auswahl der Online-Reaktionen auf den Weinsalon:

Wuertz Wein: Das Ortsweinprojekt in Hamburg
Weinspion: 25. Weinsalon Hamburg
Weinfreunde: 25. Hamburger Weinsalon
Elloinos: Greek wines catch attention
eldertaiment.de: XXV. Hamburger Weinsalon. Nachlese

Mittwoch, 20.01.2010

Götterdämmerung in Weinhalla


Was sich im dritten Quartal des vergangenen Jahres bereits abzeichnete, wurde heute bei der Veröffentlichung der Auflagenzahlen für das vierte Quartal 2009 durch IVW Gewissheit. Der Auflagenschwund der deutschen Weinzeitschriften erreichte im Dezember 2009 einen neuen Tiefstand und dürfte allmählich ein ruinöses Ausmass annehmen. Kein Wunder dass mein Kollege Dr. Eckhard Supp in seinem Blog die Frage aufwirft: wann die Verleger die Notbremse ziehen.

Die zweistelligen Minuszahlen bei Vinum und Weinwelt aber mehr noch das saftige Plus bei Selection machen deutlich, dass die Blätter nur noch durch Sonderverkäufe, Lesezirkel oder Bordexemplare eine Auflage erreichen können die Werbung in diesem Medium sinnvoll erscheinen lässt. Die Kernleserschaft der drei Titel hat sich auf insgesamt etwa 23.000 tatsächliche Käufer (davon ca. 18.000 Abos) reduziert. Nimmt man diese harten Verkaufsauflagen (Kiosk und Abo), dann müssten die Verlage wohl ihre Anzeigenpreise nach unten korrigieren, und dies wäre das Ende. Wobei dies im Falle der Weinwelt weniger gravierend sein dürfte, da sie eingebunden ist in das komplexe Meininger-Konzept mit seinen zahlreichen Synergieeffekten

Dienstag, 19.01.2010

Kumala soll in Deutschland TOP-Seller werden


Die Bonner Hawesko-Tochter Wein Wolf bekommt prominenten Zuwachs aus Südafrika für ihr internationales Weinprogramm. Sie wird ab sofort die Marke Kumala in Deutschland distribuieren. Kumala gehört zum Portfolio von Constellation Brands Inc., dem führenden Weinunternehmen der Welt. Kumala ist mit jährlich 24 Millionen Flaschen die weltweit am meisten verkaufte und am schnellsten wachsende Weinmarke Südafrikas. Allein im Jahr 2009 verzeichnete Kumala einen Zuwachs von sechs Prozent über alles.

Die Marke mit dem signifikanten Eidechsen-Logo ist bereits in zahlreichen wichtigen Märkten eingeführt so u.a. in Indien, Kanada, Japan und Skandinavien. Vor allem in Grossbritannien ist Kumala ein Topseller. Allein dort werden statistisch jede Minute 35 Flaschen Kumala verkauft oder alle zwei Sekunden eine Flasche.

Mittwoch, 13.01.2010

Entdeckung des Jahres


Sie sind Cousins, sie haben ein gemeinsames Projekt und jetzt dürfen sich die beiden pfälzischen Jungwinzer Dominic Stern und Philipp Kiefer gemeinsam über die Auszeichnung „Entdeckung des Jahres“ beim diesjährigen Grand Prix Degustation freuen. Sie werden diese Auszeichnung im Rahmen des 25. Hamburger Wein Salons bekommen, der am kommenden Wochenende im historischen Börsensaal der Hamburger Handelskammer stattfindet. Sie überzeugten die Juroren des Wettbewerbs mit einer bemerkenswerten Kollektion.



Neben den beiden gemeinsam produzierten PinoTimes-Weinen waren es vor allem der Chardonnay Barrique und der Spätburgunder vom Weingut Stern sowie beim Aloisiushof der Gewürztraminer und der Ambrosia Riesling. Alle vier Weine wurden mit einem Grand Prix bzw. einem Grand Prix d´Honneur ausgezeichnet. Einer der Juroren verglich den Stern-Chardonnay mit einem Meursault oder Puligny-Montrachet. Der Pinot noir war der höchstbewertete deutsche Rotwein nur noch übertroffen von zwei toskanischen Roten, dem 50 & 50 des Jahrgangs 2005 von Capannelle/Avignonesi und dem 2004 Brunello von Pian dell´Orino. Ich persönlich habe diese Weine zwischen 88 und 90/100 Punkten bewertet.

Freitag, 08.01.2010

Wer ist Cordula Eich?


Seit Tagen beschäftigen sich Weinblogger und Kollegen jeglicher Couleur mit einem Buch, das zum Jahreswechsel mit RiesenTamtam auf den Markt kam: Super Schoppen Shopper – ein Führer der über 1000 Weine aus dem Angebot der deutschen Discounter und Supermarktketten beschreibt und bewertet. Dies ist keineswegs der erste Weinführer, der sich mit den Wein-Sortimenten von Supermärkten und Discountern beschäftig, aber es ist wohl der konsequenteste und frechste. Und hinter ihm steht offenbar eine gut geölte Werbemaschinerie, die das virale Marketing beherrscht und auch dafür sorgte, dass sich Bild.de der Sache annahm und kurz vor Weihnachten eine Liste der „100 besten Weine aus dem Supermarkt“ publizierte. Wie problematisch so ein Werk ist darauf haben andere hier und hier hingewiesen. Ich habe mich mal damit beschäftigt wer eigentlich für diesen Führer verantwortlich zeichnet. Wer ist Cordula Eich?

Donnerstag, 07.01.2010

Wird „Homing“ der Trend des Jahres 2010?


DVD statt Kino, Urlaub auf Balkonien, selber Kochen statt ins Restaurant gehen, Hammer und Bohrer kaufen statt Handwerker beauftragen: Der Rückzug in die eigenen vier Wände, die Familie und den Freundeskreis als Reaktion auf die Krise hat überraschende Auswirkungen auf Handel und Dienstleistungssektor. Baumärkte, Elektronik- und Lebensmittelhandel profitierten so etwa vom Trend zum Cocooning, auch die Naherholungsziele. Das Cocooning der 1980er Jahre könnte in neuer Form einer der stärksten Trends des Jahres 2010 werden.

Mittwoch, 06.01.2010

121.000 Euro für 230-Kilo-Tunfisch


Der weltweite Sushi-Boom lässt die Preise für Thunfisch förmlich explodieren.
So erzielte ein 230 Kilogramm schwerer Blauflossen-Tunfisch bei der ersten Auktion in diesem Jahr am Tokioter Fischmarkt Tsukiji einen Rekordpreis von 121.000 Euro. Die zwei Käufer sind ein Luxusrestaurant in Tokio und ein Unternehmer aus Hongkong, der eine Sushi-Bar-Kette besitzt. Der Preis ist seit 2001 der höchste, der für einen Tunfisch in Japan bezahlt wurde.

Gefangen wurde das Tier vor der Nordspitze der japanischen Insel Honshu. Die Fische dieser Region gelten als besonders schmackhaft. Blauflossen-Tunfische werden in der japanischen Sushi-Küche als höchste Delikatesse gehandelt. Rund 40 Prozent der auf der Auktion verkauften Thunfische stammten von anderen Fanggebieten - etwa von Indonesien oder Mexiko.

Sonntag, 03.01.2010

Robert Parker: Aufschwung Asiens nicht zu stoppen


Die Schweizerische Weinzeitung veröffentlicht in ihrer Januar-Ausgabe ein ausführliches Interview mit dem us-amerikanischen Weinkritiker Robert Parker zur Lage und Zukunft der Weinwelt sowie der Rolle der Medien. Das zunächst im Zusammenhang mit der Konferenz „Wine Future Rioja“ in La Prensa del Rioja Nr. 183 in spanischer Sprache erschienene Gespräch wurde von Barbara Paz Soldan übersetzt. Ich zitiere hier zwei Passagen aus diesem interview mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.

FRAGE: Herr Parker, welches ist die grösste Herausforderung, vor der eine zunehmend globalisierte Weinbranche steht?

PARKER: Es sind mehrere. Ich denke an die Schwankungen auf dem Geldmarkt. Noch grösser aber sind die Herausforderungen bedingt durch die Entwicklungen der Weinbauregionen: zur Zeit ist die Produktion grösser als die Nachfrage. Zudem mangelt es den Konsumenten an Wissen über die Regionen und deren Weine. Dies zu vermitteln und die Nachfrage mit einem effizienten Vertrieb zu garantieren, wird vorderstes Anliegen sein.

Häuptling fremde Feder


Es gibt Kollegen, die ganz ungeniert abschreiben, wenn ihnen mal gar nichts mehr einfallen will. Die anständigen nennen dann die Quelle. Die anderen vergessen das einfach und schmücken sich mit fremden Federn. So wie Niko Rechenberg in einem aktuellen Blogeintrag über die Weintrends 2010.

Die meisten der von ihm in diesem Posting genannten Trend-Stichworte und -Thesen dürften den Lesern des Drink Tank bekannt vorkommen: Klimaverschiebung, Riesling kein Trend, Spitzenweine aus Bordeaux werden unerschwinglich, Weine femininer und asiatischer, mehr Spass am Wein, mehr Bags and Boxes, mehr Biodynamie, mehr Spätburgunder etc. etc..

Das war alles so oder so ähnlich bereits fünf Tage vorher hier zu lesen, wurde ausgiebig auf Twitter, in talk-about-wine und auf Facebook diskutiert. Es beruht auf meinen im Laufe des Jahres bei der Deutschen Getränkewirtschaft erschienen Trend-Kolumnen. Dies habe ich in einem Weinreporter-Newsletter am 1. Januar kommuniziert. 24 Stunden später wurden meine zehn Thesen vom Berliner „Häuptling fremde Feder“ oberflächlich zusammengefasst und teilweise krude umgeschrieben unter eigenem Namen veröffentlicht. Dabei hat er sie um zwei, drei durch nichts belegte Thesen erweitert: Wein wandert nicht weiter nordwärts, die Weinimporte in China und Indien werden sinken, Champagner kommt wieder – noch billiger. Wie das? Champagner ist doch schon so preiswert wie noch nie.

Freitag, 01.01.2010

Eine kleine Blog-Analyse


Wer liest eigentlich den Drink Tank? Um auf diese Frage einige Antworten zu erhalten habe ich 2008 für dieses Weblog Google Analytics installiert. Jetzt liegen mir erstmals Zahlen für ein ganzes Jahr zur Verfügung. Leider kann ich diese aber nicht mit dem Vorjahr vergleichen, da ich davor andere Statistik-Tools benutzt habe.

Im abgelaufen Jahr 2009 hatte der Drink Tank laut Google Analytics monatlich knapp 7.000 eindeutige Besucher und diese sorgten für an die 23.000 Page Impressions. Aufgerufen wurden also pro Besucher etwas mehr als drei Seiten. Ich habe mir heute mal angesehen, wo diese Zugriffe im Wesentlichen herkamen. Allerdings verteilen sich diese Zugriffe nicht gleichmässig über das Jahr, sondern können je nach Nachrichtenlage stark schwanken, wie ich hier aufgezeigt habe. Heute habe ich mich einmal damit beschäftigt wo die Leser herkommen.

ZUGRIFFE: Typ der Zugriffsquelle (in %)
Suchmaschinen: 39,73 %
verweisende Websites: 30,24 %
Direkte Zugrifffe: 29,95 %

Montag, 28.12.2009

Weintrends für die nächsten 10 Jahre


Gottfried Lamprecht vom biodynamisch wirtschaftenden Weingut Herrenhof im österreichischen Markt Hartmannsdorf im Steierischen Vukanland hat mir heute abend via Twitter die Frage gestellt: Was sind denn Ihrer Meinung nach die kommenden Weintrends? Meine spontane Antwort: das kann man in 140 Zeichen nicht sagen. Dann habe ich es aber doch versucht. 10 Trends in 10 Tweets.
Trend 1: Wein wandert weiter nord- und südwärts. Klassische Regionen werden ihren Charakter verändern.

Trend 2: Wein wird weiblicher und asiatischer.

Trend 3: Noch mehr neue interessante Länder werden auf der Welt-Weinkarte auftauchen z.B. Brasilien, China, Indien.

Trend 4: Spitzenweine aus Bordeaux aber auch aus anderen Appellationen werden für Normalverbraucher vollends unerschwinglich.

Trend 5: Wein wird an der Basis noch mehr zum global genormten Lifestyle-Getränk in Bags & Boxes.

Trend 6: Gleichzeitig wird die Regionalität wieder an Bedeutung gewinnen. Man wird nicht mehr jeden Wein überall bekommen.

Trend 7: Mehr Nischen: Nachhaltigkeit, Öko und Biodynamisch für LOHAS, Icons für Milliardäre.

Trend 8: die Rhône Sorten werden sich weltweit noch stärker und erfolgreicher ausbreiten als bisher.

Trend 9: Riesling war kein Trend, ist kein Trend und wird als künftiger Trend am Klimawandel scheitern.

Trend 10: Weingenuss wird weniger zeremoniell, weniger kulturell überfrachtet genossen, sondern mit mehr Spass an der Freud.
Ob ich das alles wirklich gut finden soll, weiss ich selbst nicht so recht. Aber als Thesen lässt sich dies alles aus der gegenwärtigen Markt-Situation und anderen mittelfristigen Entwicklungen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und klimatischer Natur durchaus ableiten. Jedenfalls hat sich inzwischen zu diesen Trend-Postings schnell eine interessante Diskussion mit mehreren Wein-Twitterern und Dutzenden von Tweets entwickelt. Auch auf Facebook und im Online-Weinforum talk-about-wine ist es inzwischen ein Thema.

Die Thesen sind u.a. ein Extrakt einer Kolumne, die ich im Laufe dieses Jahres für die Fachzeitschrift "Deutsche Getränkewirtschaft" geschrieben habe. Hier einige Links dazu:

DGW 11/12/2009: Mac & Merlot

DGW 08/2009: Die neuen Gesichter des Weins


DGW 06/07/2009: Die Weinwelt wird asiatisch und feminin

DGM 05/2009: Schleichender Wandel in den Weinbergen

DGW 04/2009: Aldi & Co werden hoffähig

Dienstag, 22.12.2009

Discounterweine aus Südafrika als Testsieger


Bei einem aktuellen Südafrika-Sortimentstest des Wirtschaftsmagazins WEIN+MARKT hatten zwei Weine aus dem Programm führender deutscher Discounter die Nase vorn. So stellt PENNY mit dem 2008er Pinotage/Cabernet Sauvignon aus der Vineyards Edition von Home of Origin Wine/Koelenhof Vineyards die beste Originalabfüllung des Tests. Diese Rotweincuvée vom Kap wurde mit 14,6 Punkten bewertet und war aus Sicht der Jury gleichzeitig auch der beste Discounterwein der Probe. Bei den Weissweinen erhielt ein Wein aus dem Sortiment von ALDI Süd mit 14,5 Punkten die höchste Bewertung: 2009 African Rock Sauvignon blanc von Distell.


Für den repräsentativen Test, der in der Januarausgabe erscheinen wird, kauften die Experten der Fachzeitschrift WEIN+MARKT im deutschen Lebensmitteleinzelhandel sämtliche südafrikanischen Weine ein, die sie im Preisbereich bis fünf Euro finden konnten. Dabei nutzten sie alle gängigen Einkaufsquellen - von Aldi und Lidl über Edeka und Metro bis hin zu Kaufhof und Karstadt. Am Ende kamen so 75 Weine aus 20 Handelsunternehmen zusammen, die verdeckt verkostet wurden. Den Testern war nur bekannt, welche Rebsorten und welche Jahrgänge sie im Glas hatten.

Montag, 21.12.2009

Mer kann´n aach äfach dringe!




Rechtzeitig zum Fest noch Ebbes zum Lache vom Woirepordär unem Blogggwart. Zwä Pälzer Buwe uff de Walz fer en guude Drobbe: Episode 2. Life from Stone - Die absolute Waffen gegen den Durst.

Der ganz normale deutsche Steuerwahnsinn


Das kommt dabei heraus, wenn man statt wie vor der Wahl versprochen das Steuersystem radikal zu reformieren weiter flickschustert, wie es die neue Bundesregierung mit einem Teil des Wachstumsbeschleunigungsgesetzes mal wieder getan hat. Nach Einschätzung des World Tax Service (WTS) wird der Fiskus daher ab Januar beim Hotel-Frühstück gleich zweimal zulangen, zumindest bei Geschäftsreisenden. Hintergrund ist die Absenkung der Mehrwertsteuer im Beherbergungsgewerbe auf 7 Prozent, die nur für Übernachtungen nicht aber für das Frühstück gelten, das weiter mit 19 Prozent Steueraufschlag belastet wird. Der etwas komplizierte Sachverhalt sieht so aus:
Im Rahmen der Reisekostenabrechnung konnte ein Frühstück auf Dienstreise bislang nur steuerfrei vom Arbeitgeber erstattet werden, wenn es im Hotelpreis enthalten und nicht separat auf der Rechnungen ausgewiesen war. Wer dagegen eine separate Frühstücksrechnung vorlegte, musste den Kostenersatz grundsätzlich wie eine Gehaltszahlung versteuern. Waren die Kosten für Übernachtung und Frühstück in einem Betrag zusammengefasst, ließ es der Fiskus zu, die Rechnung um einen pauschalen Betrag für das Frühstück zu kürzen – zuletzt 4 Euro 80 bei Inlands-Übernachtungen. Der Rest durfte dem Arbeitnehmer steuerfrei ersetzt werden. Da wegen der unterschiedlichen Umsatzsteuersätze die Kosten für das Frühstück ab 2010 in der Hotelrechnung immer separat aufgeführt sein müssen, ist diese pauschale Kürzung der Hotelrechnung aus steuerlicher Sicht nicht mehr relevant.
Einen Tipp dies zum umgehen hat WTS allerdings auch parat: Wenn der Arbeitgeber vor Beginn der Dienstreise das Frühstück für den Arbeitnehmer veranlasst hat, kann das Frühstück mit dem „amtlichen Sachbezugswert“ bewertet werden. In diesem Fall kann die gesamte Hotelrechnung (einschließlich des separat ausgewiesenen Frühstücks) steuerfrei erstattet werden, der Wert des Frühstücks ist mit dem amtlichen Sachbezugswert lohnsteuerpflichtig. Für ein Frühstück beträgt der amtliche Sachbezugswert ab Januar 1 Euro 57. WTS Lohnsteuerexpertin Susanne Weber geht davon aus, dass „in vielen Fällen heute schon das Hotelfrühstück durch den Arbeitgeber veranlasst ist. Die meisten Arbeitgeber dürften die Bestellung durch den Arbeitgeber jedoch nicht so dokumentiert haben, dass sie auch einer Überprüfung durch den Fiskus standhalten. Künftig könnte eine solche Dokumentation sinnvoll sein.“

Der grosse Klimaschwindel


Das Jahrzehnt von 2000 bis 2009 ist zwar nicht die erste Dekade des 21. Jahrhunderts, wie hie und da jetzt irrtümlich geschrieben wird, die endet erste am 31. 12. 2010, aber was unser Wetter betrifft lohnt sich ein Blick auf die Klimadaten dieses Zeitraums. Er war nämlich in Deutschland die wärmste Dekade seit mindestens 130 Jahren. Die Jahresdurchschnittstemperatur lag in diesem Zeitraum bei 9,4 Grad Celsius und damit 1,2 Grad über dem langjährigen klimatologischen Mittel für Deutschland von 8,2 Grad Celsius. Man mag dies angesichts der derzeit herrschenden Kälte und der Schneemassen kaum glauben. Doch die sind ja kein gegenteiliges Extrem, sondern allenfalls die von früher gekannte Normalität. In das vergangene Jahrzehnt fallen auch die Jahre 2000 und 2007 mit jeweils 9,9 Grad Celsius - die beiden wärmsten Jahre seit Beginn der flächendeckenden Messungen in Deutschland. Es fällt angesichts dieser Zahlen nicht schwer sich vorzustellen, dass wir in der kommenden Dekade da erstmals eine zehn vor dem Komma sehen werden.

Sonntag, 20.12.2009

Eisweine machen den "NullNeuner" jetzt komplett


Nach der erfolgreichen Eisweinlese dieses Wochenendes ist es Zeit ein Fazit des in mancherlei Hinsicht bemerkenswerten Jahrgangs 2009 zu ziehen. Dieser wird – daran habe ich keinen Zweifel - als „NullNeuner“ und als ein herausragender Jahrgang in die Analen des deutschen Weinbaus eingehen. Dies hatte Norbert Weber, der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, bereits Anfang November in einer ersten Jahrgangs-Bilanz nach dem Ende der Haupternte verkündet: „Selten haben wir so aromatische, kerngesunde und vollreife Trauben gelesen, wie in diesem Jahr.“ Inzwischen ist klar, dass dieser Jahrgang von einer beachtlichen Fülle edelsüsser weine mit höchsten Mostgewichten gekrönt wird. Der „NullNeuner“ darf damit für sich auch das Prädikat eines „kompletten Jahrgangs“ in Anspruch nehmen, ein Jahrgang in dem es sowohl bei den weissen und roten Weinen aus gesundem Lesegut wie auch aus Botrytis-Beeren bis hin zu Eiswein herausragende Qualitäten gibt. Die von mir auf weinreporter´s posterous zusammengestellten Listen der Eisweine und der höchsten Mostgewichte spricht da eine deutliche Sprache: ein Dutzend Weine erreichten Oechslegrade zwischen 250 und knapp 300 Grad. Solche Mostgewichte wurden in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland nur vereinzelt in wenigen Ausnahmejahrgängen wie 1921, 1971, 1983, 2005, 2007, vor allem aber 1959 und 2003 gemessen. Dank des Hochs ,,Dorothea", das Deutschland neben Schneechaos an diesem Wochenende auch Minusgrade bis nahe 20 Grad brachte, können sich über 100 Betriebe in allen deutschen Anbaugebieten jetzt auch über besonders hochwertige Eisweine freuen. Während die Qualität allgemein als besser bezeichnet wird, dürfte die Menge allerdings bei weitem nicht an die der drei Vorjahre heranreichen als 1.139.100 Liter (2008), 593.200 Liter (2007) und 85.700 Liter (2006) geerntet wurden. DWI-Geschäftsführerin Monika Reule dürfte mit ihrer Einschätzung recht behalten, dass der Jahrgang 2009 auch international grosse Beachtung finden wird. Die Nachricht von der Eiswein-Lese ging gestern und heute jedenfalls dank Twitter wie ein Lauffeuer um die Welt wie man hier, und hier und hier sehen kann. Eines scheint mir sicher: über diesen Jahrgang werden wir noch viel reden. Bei talk-about-wine hat die Diskussion bereits begonnen.

Fusion V: ein Wein mit Zukunft




In meinem fünften Wein-Video unterhalte ich mich mit Albie Koch, dem Winemaker von De Toren Private Cellar in Stellenbosch, über seinen Wein „Fusion V“. Das ist seit vielen Jahren einer meiner absoluten Rotwein-Favoriten am Kap, ein Blend der fünf Bordelaiser Sorten Cabernet Sauvignon, Cabernet franc, Merlot, malbec und Petit Verdot. Dies und sein konsequent an französischen Vorbildern orientierter Ausbau-Stil machen ihn zu einem der europäischsten Rotweine des heutigen Südafrika. Der „Fusion V“ ist keine frühzugängliche Fruchtbombe sondern ein auf Zukunft angelegter Charakter- und Terroir-Wein im Stil eines „Left-Bank-Grand Cru“: kompakt, dicht, strukturiert und tanninbetont.

Donnerstag, 17.12.2009

Die Politik diskutiert, die Gastronomie verliert


Während Bund, Länder und die Opposition weiter über Sinn oder Unsinn der Mehrwertsteuerreduzierung für die Hotellerie diskutieren und offenbar nicht gewillt sind diese - wie vor der Wahl in Aussicht gestellt - auch auf die Restaurants auszudehnen, beschleunigt sich die wirtschaftliche Talfahrt der deutschen Gastronomie immer stärker. 2009 wird nach den jetzt vorliegenden Zahlen des Statistische Bundesamt (Destatis) mit Sicherheit das acht Minusjahr in dieser Dekade und nach 2002 wahrscheinlich auch das schlimmste seit dem Jahr 2000.

Dienstag, 15.12.2009

Image-Offensive für griechische Weine


Griechischer Wein ist in Deutschland in erster Linie bekannt durch den geharzten Retsina, die Massenware aus den grossen Kellereien wie Cavino, Tsantali oder Boutaris und natürlich durch den gleichnamigen Schlager von Udo Jürgens. In den Supermärkten steht griechischer Wein ausschliesslich in der untersten Regal-Etage der Bückware. Die tatsächliche Vielfalt und die Qualität der neuen jungen Betriebe oder auch der kleinen alteingesessenen Familienweingüter ist den deutschen Weinfreunden bislang vorenthalten worden. Nur wenige Fachhändler wie der Griechische Weinversand in Scheyern, Zorbas-Weine im Güstrow oder die Weinhandlung Cava in Berlin bemühten sich bisher um diese Nische.



Diesem Image-Defizit abzuhelfen und die aktuellen Trends ausserhalb der Landesgrenzen bekannt zu machen bemüht sich seit einiger Zeit der als Agent und Export-Consultant der in Athen lebende Deutsche Markus Stolz. Er nutzt dabei so konsequent wie nur wenige andere die Möglichkeiten, die ihm das Web bietet über unterschiedliche Kanäle wie Twitter, Posterous, tumblr, friendfeed, facebook und Foren wie talk-about-wine und natürlich sein eigenes Weblog elloinos. In Hamburg hat er für meine Kollegen Michael Pleitgen, Eckhard Supp und mich zwei interessante Proben organisiert und mir zusätzlich einige spezielle Weine besorgt, die in Griechenland in besonders kühlen Kleinklimata oberhalb von 1.000 Metern Höhe wachsen. Diese Verkostungen haben im Internet bereits einige Resonanz in Weinblogs gefunden unter anderem hier, hier,hier, hier und hier.

Die Verkostungen zeigten mir, dass ich wie viele andere auch die Leistungsfähigkeit dieser neuen Generation von Winzern, die da in den letzten zehn Jahren in Griechenland herangewachsen ist, unterschätzt habe.

Donnerstag, 10.12.2009

Natamycin ist kein Antibiotikum – eine Recherche


Seit Wochen geistern Meldungen durch die Medienlandschaft, dass man in argentinischen und südafrikanischen Weinen Antibiotika gefunden habe. Alle haben das ungeprüft nachgedruckt von dpa bis Bild und von Spiegel Online bis zum Krankenversicherungs Blog. Einige legten sogar noch eins drauf und schrieben im Plural von "Antibiotika im Wein". Lediglich auf Twitter und Facebook haben einige Kollegen und Weinfreunde mit dem Hinweis dagegen gehalten, dass es sich bei Natamycin um ein Antimykotikum handelt und eben nicht um ein Antibiotikum. Nach hartnäckigem Nachfragen macht auch das Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz heute einen Rückzieher und wird künftig nicht mehr von einem Antibiotikum sondern korrekt von einem Antimykotikum sprechen. Dessen ungeachtet ist die beanstandete Substanz in der EU natürlich für die Weinbehandlung verboten und ist somit auch für Importweine nicht erlaubt. Das steht ausserhalb jeglicher Diskussion. Das LUA hat seit Anfang November 204 Weine aus Nicht-EU-Ländern auf Antibiotika untersucht und 16 beanstandet.



Das Landesuntersuchungsamt hatte sich auf eine Aussage der Berliner Bundesanstalt für Risikobewertung verlassen, die im Falle von Natamycin von einem Antibiotikum sprach. Wie mir mehrere Apotheker, Ärzte und Chemiker aber auch der leitende Mikrobiologe in Geisenheim auf Nachfrage erklärten, ist dies wissenschaftlich falsch. Weder sind Antimykotika identisch mit Antibiotika noch sind sie eine Untergruppe davon. Auch wenn der Volksmund heute alle Mittel, die gegen Bakterien, Viren und Pilze eingesetzt werden, pauschal als Antibiotika bezeichnet, ist das wissenschaftlich nicht korrekt. Man spricht zwar im Falle von Natamycin gelegentlich von einem polyenen, fungistatischen Antibiotikum, Aber eine solche Untergruppe gibt es bei den Antibiotika – wie man hier sehen kann – nicht. Natamycin ist eine gegen Pilze und Hefen wirkende Substanz, die z.B. als Konservierungsstoff auf der Oberfläche bestimmter Käsesorten und getrockneter Würste zugelassen ist und auch als Medikamentenwirkstoff gegen Pilzbefall auf Schleimhäuten und den Augen zum Einsatz kommt. Das Verbot beruht nicht auf einer möglichen toxischen Wirkung sondern auf einer befürchteten Resistenzbildung bei zu häufigen und unkontrollierten Anwendungen.

Bleibt für mich zum einen der Verdacht, dass man in diesem Fall bewusst den Begriff „Antibiotikum“ aus propagandistischen Gründen gewählt hat, sozusagen als ein Wort mit Panik-Garantie. Ist es doch durch allerlei Lebens- und Futtermittelskandale entsprechend vorbelastet und dadurch geeignet Ängste in der Bevölkerung zu schüren.

Dienstag, 08.12.2009

Champagner und Klimagipfel – ein Verwirrspiel


Seit Wochen versuchen die Medien weltweit sich mit teils spannenden, teils aber auch nur kuriosen Begleitberichten an den seit gestern tagenden Kopenhagener Klimagipfel anzudocken. Oft ist das nicht mehr als eine erbarmungswürdige journalistische Trittbrettfahrerei nach dem Motto „Chefredakteur zum Volontär: mach doch mal ein buntes Stück dazu.“ Wer sich gründlich informieren will, sollte z.B. lesen was in der NZZ stand über die Folgen für Indien und die Sahelzone, wenn sich die Monsune verschieben und verändern. Seit Tagen geistert aber auch diese etwas seltsam anmutende Meldung aus Frankreich durchs Netz, landete erst in den Spalten des Figaro aber auch auf dieser ungarischen Seite: „Der Champagner liebt warme Jahre.“ Nach dieser Lektüre hatte ich das Thema bereits als Unsinn ad acta gelegt. Gestern erreichte diese Meldung dann aber über den Informationsdienst Yoopress auch Deutschland. Die Redaktion hatte den Bericht ohne ihn in irgendeiner Weise zu hinterfragen nicht nur übernommen sondern auch als eigene Recherche dargestellt. Darin wird u.a. Arnaud Descotes vom Comité Interprofessionnel du Vin de Champagne (CIVC) zitiert. Nun ist Arnaud Descotes keineswegs wie es in dem Artikel heisst der Leiter des CIVC sondern lediglich dessen Umweltbeauftrager, aber das macht seine Äusserungen eigentlich noch fragwürdiger.
„Aus der Sicht der Champagner-Erzeuger können wir die Veränderung des Klimas nur begrüßen. Ich meine, solange die Erwärmung sich um 2 Grad begnügt. Sollte das Szenario sich aber verschärfen, wir etwa 5 oder 6 Grad Erwärmung erreichen, dann bekommen wir sehr große Probleme, denn dann wird es den Champagner, den wir heute hier produzieren nicht mehr geben“.
Das ist schlichtweg Nonsens“ Die Champagne gehört nach Ansicht aller mir bekannten Experten zu den am ehesten bedrohten Anbaugebieten Europas. Viele Erzeuger haben dies erkannt und betreiben daher die Ausweitung der Fläche auf bislang weniger geschätzte Randlagen oder explorieren bereits intensiv den Süden Englands als möglichen künftigen Ausweichstandort.

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