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Mittwoch, 01.09.2010

Klimawandel trifft Spanien EU-weit am schlimmsten


Spanien spürt den Klimawandel schon heute stärker als das restliche Europa. Das berichten Klimatologen der Universität Salamanca im "Journal Climatic Change". Die Forscher beziehen sich nicht auf den extremen spanischen Hitzesommer dieses Jahres, sondern auf Daten seit 1950. "Im südwestlichen Mittelmeerraum gab es seither die grössten Temperaturveränderungen Europas, was jeweils die Tages- und Nachttemperatur betrifft", so die Studienleiterin Concepcion Rodriguez Puebla.

Die meisten Untersuchungen zum Klimawandel beruhen bisher auf der Durchschnittstemperatur, kaum jedoch auf Maximal- und Minimalwerten oder auf der jeweiligen Tag- und Nachttemperatur. Das holten die spanischen Forscher nun nach. "Pro Jahrzehnt gibt es in Spanien durchschnittlich drei heisse Tage mehr pro Jahr, mit steigender Tendenz. Das klingt nicht viel, fällt auf Dauer jedoch ins Gewicht. Im Südwesten und Nordosten des Landes ist der Trend besonders stark", so Rodriguez Puebla: Betroffen davon ist zum einen die Bevölkerung deren Gesundheits-Risiken steigen aber auch der gesamte Agrarsektor. Da vor allem die nächtliche Abkühlung immer seltener wird, ist auch die Weinwirtschaft davon betroffen. Mittelfristig wird dies den Charakter der Weine in einigen Regionen nachhaltig verändern.
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Montag, 30.08.2010

Regionalsieger Rheingau: Berg Schlossberg 2007


Der Assmannshäuser Winzer August Kesseler hat die regionale Vorentscheidung des Rheingaus für den Deutschen Spätburgunderpreis gegen eine extrem starke Konkurrenz für sich entschieden und wird nach seinem Doppelsieg mit zwei Weinen im Finale des Wettbewerbs stehen. Genau wie das hessische Staatsweingut Assmannhausen dessen beste Weine auf den Plätzen vier und fünf landeten. Auch der drittplazierte Wein kommt ins Finale. Angesichts der hohen Bewertungen ist es aber durchaus möglich dass der Rheingau mal wieder überproportional viele Finalisten stellen wird.



Die beiden Kessler Weine waren mit viel Vorschusslorbeeren ins Rennen gegangen. Letztendlich setzte sich der Schlossbeg gegen den Höllenberg durch. Ganze 783 Flaschen wurden von diesem Spitzenwein im Jahr 2007 gefüllt. Die fast 25 Jahre alten Reben von denen die Trauben dafür stammen, stehen in den steilen Hängen hoch über dem Rheinknie bei Rüdesheim auf Taunusquarzit, Schiefer und sandigem Lehm Der Ertrag lag bei 29 hl/ha.
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Mittwoch, 25.08.2010

D-Day der Weinzeitschriften


Der 15. September 2010 verspricht ein spannender Tag für die deutsche Weinszene zu werden. Dann erscheint bundesweit die mit Spannung erwartete erste deutsche Ausgabe des österreichischen Magazins Falstaff mit einer Auflage von 55.000 Exemplaren. Gleichzeitig werden auch die September-Hefte der beiden wichtigen Mitbewerber Feinschmecker und Weinwelt am Kiosk liegen.

Eine grosse Werbekampagne zum D-Day im September werde es nicht geben, so Herausgeber Hans Mahr im Gespräch mit dem Drink Tank. „Es wird ein Soft-Start sein. Wichtige Restaurants und Weinhändler werden Probeexemplare bekommen, das Blatt wird in Business-Lounches der Lufthansa ausliegen und der Hamburger Springer-Vertrieb wird bundesweit die Kioske beliefern.“ Erst mit Erscheinen des Heftes 1/2011, so Verleger Wolfgang Rosam, werde man eine breite Abo-Kampagne starten. Gesteuert wird diese Offensive aus einer angemieteten Büroetage in Düsseldorf Oberkassel. Dort sitzt Geschäftsführerin der deutschen Falstaff-Tochter Ursula Haslauer, zuletzt für das Handelsblatt im Anzeigenmarketing tätig.

Interessant ist ein Blick auf die Themenpläne der Magazine. Die „Weinwelt“ gibt sich im September ganz weltläufiug mit Berichten aus Portugal, Ungarn, Frankreich und einem internationalen Pinot-Noir-Vergleich. Der „Feinschmecker“ wirbt mit Themen wie „Mohn aus dem Waldviertel“, „Schweizer Urkäse Sbinz“ und „Spitzenköche kochen für 10-20 Euro“. Der Falstaff geht dagegen mit einer Geschichte über den Trüffelkrieg zwischen Italien und Frankreich an den Start, berichtet über die Karriere eines deutschen Kochs auf Bali und beschäftigt sich mit München und seinem Oktoberfest.

Montag, 23.08.2010

Regionalsieger Mosel: Klostergarten *** 2007


Mit einem Doppelsieg für Markus Molitor aus Bernkastel-Wehlen ging die regionale Vorentscheidung Mosel für den Deutschen Spätburgunderpreis zu Ende. Mit den beiden Drei-Sterne-Weinen des Jahrgangs 2007 aus den Lagen Klostergarten in Brauneberg und Himmelreich in Graach belegte er die beiden ersten Plätze vor dem Spätburgunder No. 1 des Weingutes Lehnert Veit in Piesport auf Platz drei

Molitor ist einer der Pioniere des modernen Rotweinanbaus an der Mosel. Bereits vor über 20 Jahren begann er Spätburgunder in den besten Lagen von Graach, Brauneberg und Traben-Trarbach anzupflanzen. Heute hat er ca. drei Hektar im Ertrag und will diese Fläche mittelfristig auf ca. fünf Hektar erweitern. Neben seinen streng limitierten Spitzengewächsen aus den Lagen Himmelreich und Klostergarten produziert er inzwischen auch einen Basis-Pinot noir mit einer Jahresproduktion von über 12.000 Flaschen überwiegend aus eigenem Lesegut aber auch aus Trauben, die er von Vertragswinzern zukauft, denen er deutlich mehr pro Liter zahlt als die üblichen 80 Euro-Cent.

Während die Lage Himmelreich eine Mischung aus deutschem und französischem Pflanzmaterial enthält, besteht die anlage im Brauneberger Klostergarten zu 100 Prozent aus kleinbeerigen burgundischen Selektionen, die er sich von ausgesuchten alten Weinstöcken in Chambertin und Chambolle-Musigny besorgt hat. Diese jüngeren burgundischen Reben liefern auf dem tiefgründigeren Boden einen etwas üppigeren Wein mit einer stärkeren Betonung der Frucht und einer etwas weniger präsenten Mineralität als bei den älteren Reben aus dem steinigeren Boden des Himmelreichs.

Dienstag, 17.08.2010

Regionalsieger Franken: Casteller Schlossberg 2008


Der erste Regionalsieger des Wettbewerbs um den Deutschen Spätburgunderpreis 2010 kommt aus Franken und zwar vom Fürstlich Castell´schen Domänenamt Es handelt sich um den Schlossberg Spätburgunder des Jahrgangs 2008. Ein alkoholmächtiger Wein mit einer kompakten Tanninstruktur, vitaler Säure und Süsse sowie einer dicht verwobenen samtigen Textur. Ein typischer Vertreter Frankens, geprägt vom deutlich kontinentaleren Klima und dem Keuperboden



Der nach Süden geneigte, fünf Hektar umfassende Hang des Casteller Schlossbergs ist in drei übereinanderliegende Parzellen aufgeteilt, die man auf dem Weingut hausintern „Schilde“ nennt. Die Reben des Siegerweins stammen aus einer 30 ar grossen Parzelle des mittleren Hangs, auch „zweites Schild“ genannt. Die Reben wachsen hier auf einem Gipskeuper, der von Adern weißen Alabasters durchzogen ist. Dieser von Bildhauern begehrte, weiche Bruder des Marmors wurde früher in einem nahe gelegenen Steinbruch abgebaut. Unter Anderem wurde daraus der barocke Altar der Casteller Schlosskirche gefertigt. Der Wein wurde en am 13. Oktober 2008 mit 95 ° Oechsle gelesen. Der Ertrag lag bei 30 hl/ha. Die Reben wurden vor 4 Jahren auf 16 Jahre alte Rieslaner-Unterlagen gepfropft. Nach zweiwöchiger Maischegärung wurde der Wein für 18 Monate in neuen und gebrauchten Barriques aus französischem Eichenholz ausgebaut und kommt erst jetzt im September 2010 auf den Markt, ganze 450 Flaschen zum Preis von 33 Euro.

Montag, 16.08.2010

Auftakt zum Spätburgunderpreis 2010


Am Wochenende haben wir in Hamburg mit den regionalen Vorverkostungen für den Deutschen Spätburgunderpreis 2010 begonnen. Insgesamt wurden für den Wettbewerb 260 Weine der Jahrgänge 2007 und 2008 von 149 Betrieben aus allen Anbaugebieten mit Ausnahme des Mittelrheins angemeldet. Der nördlichste Wein kommt aus dem Harz-Vorland vom Harzer Weingut Kirmann in Westerhausen und die südlichsten vom Bodensee (Aufricht) und vom Hochrhein (Engelhof).

Wir führen diesen Wettbewerb in diesem Jahr zum ersten Mal in enger Kooperation mit dem Wein- und Genuss-Magazin Falstaff durch, das im September mit einer eigenen deutschen Ausgabe auf den Markt kommen wird. In Heft 2/2010, das im November erscheint, gibt es ein redaktionelles Schwerpunkt-Thema Deutsche Rotweine. Darin eingebunden ist auch das Ergebnis dieses Wettbewerbs.

Freitag, 13.08.2010

Rheingauer Winzer gewinnt Sauvignon blanc Trophy


Mit dem Weingut Fred Prinz aus Hallgarten hat erstmals ein Betrieb auf der deutschen Riesling-Hochburg Rheingau die Sauvignon blanc Trophy 2010 gewonnen. Ein Zeichen dafür, dass auch diese Sorte, die zunächst in Baden und Württemberg heimisch wurde, dann vehement in die Pfalz und nach Rheinhessen drängte, immer weiter nach Norden wandert und dort Standorte findet, die sie zu so grossartigen Leistungen befähigt wie diesen prachtvollen Siegerwein. Er ging mit der niedrigsten Vornote in die Konkurrenz, hat alle anderen überholt und dann letztendlich knapp gewonnen.



Sauvignon blanc Trophy 2010: die Top 5 des Wettbewerbs.

Auf Platz zwei landete mit dem Aloisiushof aus dem pfälzischen St. Martin einer der jungen Aufsteiger des vergangenen Jahres, einer jener Winzer, die ihren schnellen Ruhm u.a. dem Mikroblogging-Dienst Twitter verdanken. Vor allem über dieses Medium verbreitet sich der Ruf der Weine wie ein Lauffeuer unter den Weinfreunden. Beim Hamburger Wein Salon im Frühjahr wurde er als “Entdeckung des Jahres“ geehrt und holte sich gleichzeitig auch die begehrte Auszeichnung des „Weisswein des Jahres“ mit seinem 2008 Ambrosia Riesling. Auf Platz drei landete och so ein junger Komet am deutschen Weinfirmament: der Weedenbornhof aus dem rheinhessischen Monzernheim mit seinem Terra Rossa Sauvignon.

Montag, 09.08.2010

Facebook als mediales Schlachtfeld


Wenn am 15. September die erste deutsche Ausgabe des österreichischen Wein- und Genuss-Magazins „Falstaff“ mit einer Auflage von 40.000 Exemplaren erscheint, wird die Schlacht nicht allein am Kiosk geschlagen, sondern auch in den social networks. Rechtzeitig hat sich das Magazin vor allem auf Facebook in Stellung gebracht und rangiert derzeit hinter „Essen und Trinken“ auf Platz zwei, weit vor den potentiellen Konkurrenten „Vinum“ und „Weinwelt“.

Wein- und Genuss-Magazine auf Facebook
Essen und Trinken (D): 2.885 friends/fans
Falstaff (Ö): 2.518 friends/fans
Effilee (D): 2.043 friends/fans
Beef (D): 2.027 friends/fans
Sommelier Magazin (D): 861 friends/fans
Vinaria (Ö): 837 friends/fans
Vinum (CH/D): 679 friends/fans
Weinwelt (D): 480 friends/fans
Genuss-Magazin & wein.pur (Ö): 187 friends/fans
Marmite (CH): 148 friends/fans
Das Magazin, dem die Hauptstossrichtung des Falstaff-Angriffs gilt, der in Hamburg erscheinenden „Feinschmecker“ findet auf Facebook nur über den Link einer Abo-Sammel-Maschine statt. Eine eigene Seite gibt es nicht. Beim Jahreszeiten Verlag hat man diese Entwicklung schlicht verschlafen. Die Website ist ein Shop aus der Internetsteinzeit. Die redaktionellen Seiten beschränken sich auf Inhaltsverzeichnisse, der jeweiligen Ausgaben.

Mittwoch, 04.08.2010

Sonne und Fussball sorgten für mehr Durst


Die Kombination von hochsommerlichem Wetter, dem guten Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-WM und positiven Zahlen vom Arbeitsmarkt hat den Lebensmittel-Umsätzen im Juni einen kräftigen Schub gegeben. Laut der jüngsten Konsumklimastudie der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), stiegen die Bier- und Sekt-Umsätze des Handels im Vergleich zum Vorjahresmonat um zwölf bzw. 15 Prozent an. Weil für viele Deutsche zum perfekten Sport-Genuss auch der richtige Snack gehört, griffen sie auch hier verstärkt zu. Die Umsätze mit Knabber-Gebäck und Chips zogen im selben Zeitraum um elf bzw. 26 Prozent an. Die Menschen glaubten wieder verstärkt an eine Erholung der Wirtschaft und hätten weniger Angst um ihren Job, berichteten die Nürnberger Marktforscher. Das wirke sich positiv auf die eigene Einkommenserwartung aus. Lediglich die so genannte Kauflaune habe sich nach einer WM-Sonderkonjunktur in einzelnen Branchen wieder etwas abgekühlt. Für August rechnen die GfK-Forscher mit einem weiteren Anstieg des Konsumklima-Indexes von 3,6 auf 3,9 Zähler.

Montag, 02.08.2010

Die besten deutschen Sauvignon blancs


In der kommenden Woche treten bei der Sauvignon blanc Trophy 2010 in Hamburg 20 Weine um die Krone des besten Sauvignon blancs des Jahrgangs 2009 an. Sie waren zuvor in sechs regionalen Vorrunden aus insgesamt 125 angemeldeten Weinen von der Jury nach folgendem Schüssel ermittelt worden: die sechs Regionalsieger (Baden, Franken, Pfalz, Rheingau, Rheinhessen und Württemberg) unabhängig von ihrer Punktzahl sowie alle Weine, die ein Votum von mindestens 17/20 erreichten sowie einige Weine, die an dieser Hürde nur knapp scheiterten, aber auf Grund des Minderheitsvotums einzelner Juroren, die diese Weine deutlich über den Wertungen ihrer Kollegen sahen und darum baten, diese Weine nochmals im Finale verkosten zu wollen. Über diese Vorrunden gibt es ein chronologisches Tagebuch in Weinreporter´s Posterous-Blog mit dem Tag „Sauvignon blanc“. Die Platzierungen und Bewertungen aller in den Vorrunden verkosteten Weine finden Sie auf der Website des Wettbewerbs auf best-of-wine.com.

Unabhängig davon welcher dieser 20 Weine und welcher Erzeuger letztendlich die Nase vorn haben wird, steht ein Siegers des Wettbewerbs schon jetzt fest. Es ist die Sorte selbst. 2009 scheint mir in Deutschland ein hervorragender Sauvignon-Jahrgang und vielleicht der Jahrgang mit dem sich diese Sorte knapp zehn Jahren nach dem Beginn ihrer Renaissance in den deutschen Weinbergen und ihrer offiziellen Anerkennung sich endgültig als Qualitätsfaktor durchsetzen am Markt etablieren wird. Die Jurorin Elisabeth Füngers, Sommelière und Mitinhaberin des Hamburger Restaurants Nil brachte es auf den Punkt: „Diese Weine werden dem Riesling in der der Publikumsgunst ganz gehörig Konkurrenz machen.“ Das Niveau des gesamten Wettbewerbs über alle Regionen hinweg war nach Ansicht aller Juroren höher als in den früheren Jahren. Echte Ausfälle gab es keine und an der Spitze reichen die Weine absolut an internationale Top-Qualitäten heran. Erfreulich ist zum einen die stilistische Vielfalt der Weine und zum anderen die Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl der Erzeuger ihre Weine nicht am „grünen“ Übersee-Mainstream ausrichtet, sondern nach reifer Frucht, dezenter Aromatik und mineralischem Ausdruck strebt.

Mittwoch, 21.07.2010

Weinzeitschriften ein Auslaufmodell?


Trotz eines umfassenden Relaunch des Titels und offensivem neuen Internet-Auftritt ist die Zahl der Abonnenten beim Weinmagazin Vinum im zweiten Quartal 2010 auf einen historischen Tiefstand gefallen. Erstmals notiert die Zahl bei laut IVW im 2. Quartal eines Jahres unter 10.000 Exemplaren. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2006 ist die Zahl der Abonnenten von 14.643 auf 9.654 zurückgegangen. Nach internen Informationen, über die Dirk Würtz heute in seinem Blog berichtet, soll es sich dabei im wesentlichen um eine Bereinigung um Abos handeln, die nicht bezahlt wurden. Das ändert aber nichts am langfristigen Trend: innerhalb von nur fünf Jahren hat das Blatt ein Drittel seiner Abo-Auflage verloren, ohne dass der Kioskverkauf gesteigert werden konnte. Der dümpelt bei einer Zahl von knapp über 1.000 Exemplaren vor sich hin. Trotz einiger auch in den IVW Zahlen erkennbarer vertrieblicher Anstrengungen (z.B. Sonderverkäufe) die Auflagen zu stabilisieren, konnten aber die verbliebenen Mitbewerber Selection und Weinwelt von den Vinum-Verlusten nicht nachhaltig profitieren. Auch die Einstellung des Weingourmet zum Jahresbeginn 2009 hat keine Spuren hinterlassen. Im Fünf-Jahres-Vergleich der zweiten Quartale ging die gesamte Aboauflage der drei Titel von 23.949 auf 17.378 Exemplare zurück Das entspricht einem Minus von 27 Prozent. Da stellt sich für mich schon die Frage: sind Weinzeitschriften in ihrer heutigen Form für´s breitere Publikum ein Auslaufmodell?

Montag, 19.07.2010

Spatz Sperling zum 80. Geburtstag


Während meiner Südafrika-Reise zur Fussballweltmeisterschaft hatte ich auch Gelegenheit einen alten Freund wiederzusehen: Michael Sperling, den in der Weinwelt jeder nur „Spatz“ nennt. Heute feiert er seinen 80. Geburtstag und diese Hommage ist mein Geburtstags-Geschenk an ihn. Seinen treuen Hund Nelson im Arm erwartete er mich in seinem Haus auf der Familien-Weinfarm Delheim am Simonsberg bei Stellenbosch. Auf der Terrasse unter dem alten Jacaranda-Baum, den er 1965 anlässlich seiner Hochzeit mit seiner Frau Vera gepflanzt hat, liessen wir einen sonnigen Sonntag Vormittag lang bei echter deutscher Bratwurst und einigen älteren Weinen aus der privaten Schatzkammer sein Leben Revue passieren. Über dem stehen für ihn zwei Zeilen aus Schillers „Glocke“ als Devise: „Den schlechten Mann muß man verachten, der nie bedacht, was er vollbringt.“



Sperling kam 1951 als 21jähriger Jungspund nach Südafrika. Dort hatte sein Onkel Hans-Otto Hoheisen 1938 die Farm „De Driesprong“ gekauft, 1940 die ersten Reben gepflanzt, 1943 den Weinkeller gebaut und die ersten Tanks installiert. „Afrika war gut zu mir“, meint Spatz rückblickend , „weil ich hier als junger Mensch akzeptiert wurde. Man nahm mich so wie ich war. In Europa hätte ich all diese Chancen vermutlich nicht gehabt.“ Aus dem blutigen Anfänger von damals wurde quasi durch „learning by doing“ ein erfolgreicher Weinmacher, der Patriarch eines grossen Familenunternehmens, das heute von seinen Kindern Nora und Viktor geleitet wird. Mehr noch. Er ist am Kap so etwas wie eine lebende Weinlegende, von allen verehrt, geachtet und bewundert.

Freitag, 16.07.2010

Sibirischer Winter und Sahara-Sommer


Seit Jahren warnen die führenden Klimatologen dieser Welt nicht nur vor dem generellen Klimawandel hin zur einer globalen Erwärmung sondern auch davor, dass die Klimaextreme zunehmen und dabei heftiger werden. Leider hört niemand auf sie weder in der Politik noch in der Wirtschaft. Kleine Tornados sind in manchen Regionen Deutschlands schon fast sommerlicher Alltag. Auch über Starkregenfälle bisher nicht gekannten Ausmasses regt sich kaum noch einer auf. So ist es auch kein Wunder, dass Klimaanlagen (nicht nur) in deutschen ICE Zügen ausfallen, dass Strassenschäden in einem Ausmass entstehen, die innerhalb eines Jahres nicht mehr beseitigt werden können usw. usw.. Was ist los. Ganz einfach in den vergangenen sechs Monaten hatten wir es mit einer totalen Temperaturschwankung von fast 70 Grad zu tun. Sibirischer Winter und Sahara-Sommer - darauf sind wir in Westeuropa nicht eingestellt weder wir selbst noch die Materialien die wir verwenden noch die Prüfrichtlinien.

Montag, 12.07.2010

Chorizo, Calamari & Curry-Pofertjes


Die Orakel-Krake Paul hat ein weiteres Mal Recht behalten. Spanien ist Fussball-Weltmeister 2010. Oktopus, Calamari, Krake – das war von jeher eine meiner Lieblingsspeisen und wird es in Zukunft noch mehr sein als bisher. Leider war kein Lieferant in der Lage mir Paul tot oder lebendig auf dem Silbertablett auszuliefern. Zu gern hätte ich den neunmalklugen Achtfüssler heute Abend gekocht, gebraten, gegrillt oder geschmort.


So mussten einige seiner entfernten Verwandten, nämlich ein halbes Dutzend Baby-Calamari daran glauben. In Erwartung eines rustikalen Spiels hatte ich mir ein dem entsprechendes finales WM-Rezept ausgedacht: Ragout von Chorizo, Calamari, Paprika , Kartoffeln, Tomaten mit Chili, Zwiebel, Knoblauch, Fenchel- und Koriandersamen und Basilikum. Dazu gab´s niederländische Pofertjes, allerdings nicht süss sondern cape-malay-curried. Letzteres ist ein echter Hit, den ich nur zur Nachahmung empfehlen kann. Zu trinken gab´s dazu passend ungarisches Stierblut: 2007 Merengö Bikavér von St. Andrea aus Eger.

Sonntag, 11.07.2010

Renaissance des europäischen Fussballs


Egal wie das Finale heute Abend zwischen Spanien und Holland in Johannesburg ausgeht, nach dem gestrigen Sieg der deutschen Mannschaft über Uruguay steht bereits ein Sieger dieser Fussball WM fest: der europäische Fussball. Er erlebte in den vergangenen vier Wochen eine eindrucksvolle Renaissance obwohl doch alle geglaubt hatten, dieses Turnier werden die Festspiele der südafrikanischen Ballzauberer und es werde endlich den Schwarzafrikanern den ersehnten Durchbruch bringen. Nichts dergleichen ist passiert.

Südafrika, einig Fussball-Land


Egal wo ich mich vergangene Woche unter die einheimischen Fans in Südafrika gemischt habe, im Paulaner-Biergarten auf dem Weingut Blaauwklippen in Stellenbosch, bei Mzoli´s im Township Gugulethu, im Stadion, auf dem Fans Walk, immer war die Regenbogennation präsent. Da gab es keine Trennung zwischen schwarz, weiss oder welcher anderen Hautfarbe auch immer. Südafrika war einfach einig Fussball-Land.



Dabei fiel es zunächst den meisten weissen Südafrikanern, die traditionell mehrheitlich keine Fussball- sondern Rugby-Fans sind, doch sehr schwer zu verstehen, wie man sich für diesen Sport so begeistern kann. Doch dann erlebten sie etwas, was sie vom Rugby her nicht kennen. Dort sind es gerade mal eine Handvoll und immer die gleichen Länder (Australien, Neuseeland, Frankreich und England), aus denen die Fans kommen, während beim Fussball wirklich Menschen aus aller Welt ins Land strömten und täglich 400 Millionen weltweit gebannt über Radio und TV die Spiele verfolgten. Ihnen wurde bewusst, dass sie tatsächlich das grösste Sportspektakel der Welt zu Gast hatten und am Ende hätten sie alle Tausende von Rand bezahlt, wenn sie noch eine Chance gehabt hätten ein Ticket fürs Halbfinale oder Endspiel zu bekommen.

Schaut auf diese Kinder


Warum habe ich mich trotz gesundheitlicher Probleme vor zwei Wochen auf den anstrengden Weg nach Südafrika gemacht? Zum einen weil ich es versprochen hatte. Dann wollte ich alte Freunde wiedersehen wie Spatz Sperling, der nächste Woche seinen 80. Geburtstag feiert. Ich hatte mir schon früh ausgerechnet, dass Deutschland wahrscheinlich auf Argentinien treffen würde und das wollte ich nun um keinen Preis verpassen. Doch mein Besuch galt auch den Kindern des Landes, vor allem den schwarzen Kindern in den Townships. So hatte ich das Vergnügen in Langa die erste Kinder-Hockey-Mannschaft zu treffen und die jugendliche Marimba-Band. Ich habe mir mit schwarzen Kindern Fish and Chips geteilt und mit ihnen in einem Kindergarten des Pebbles Projektes auf dem Weingut Viliera gekickt. Wer meinem Profil auf Facebook folgt, hat das live miterleben können.



Die Stars des künftigen Weltfussballs sind hier bereits geboren und sie kicken auf den Bolzplätzen in und um die Townships, in den Kindergärten und Schulen. Schaut in die Gesichter dieser Kinder! Die sind die Zukunft des Landes und weil sie so lebensfroh und unbekümmert sind trotz aller Schwierigkeiten ist mir um dieses Land nicht bange. Ich freue mich jetzt schon drauf denen als alter Mann nochmals zu begegnen zu dürfen, wenn sie erwachsen geworden und in einem andere besseren Land leben. Dann heisst es wirklich: Ses´fikile (wir sind angekommen).

Samstag, 10.07.2010

Spirit statt Crime


Die angeblich die Spieler und Besucher bedrohende Kriminalität Südafrikas fand nicht mal im Ansatz statt. Der gängigste Scherz dieser Tage am Kap lautet: Paris Hilton und ihre drogensüchtige Gespielin waren die einzigen Kriminellen während dieser vier Wochen. Das stimmt so natürlich nicht wirklich, aber die 44.000 zusätzlichen Polizisten, die der Staat eigens für die WM rekrutierte und rund um die Stadien, Fansmeilen, Public View Äreas und andere touristische Zentren einsetzte, haben mit ihrer Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft ein wahres Wunder vollbracht. Ich habe noch nie so viele lachende Polizisten gesehen, die sich als Diener ihrer Gesellschaft und als Helfer für die Fremden verstanden haben, wie in dieser Woche in Cape Town. Dazu die zahllosen Volunteers mit ihren gelben Westen. Davon können wir uns alle ein Stück abschneiden.



Der 2,5 Kilometer lange Fans Walk In Kapstadt vor dem Spiel und danach war ausgelassen und fröhlich, alle Fans waren so ein Herz und eine Seele wie ich es noch nie erlebt habe. Einzig einige der britischen Fans – so las ich es in den Zeitungen – waren auch diesmal wieder aus der Rolle gefallen, aber durch das frühe Ausscheiden ihres Teams auch schnell wieder zu hause. Alle anderen liessen sich vom sportlichen Spirit der Südafrikaner anstecken. Denen geht es nämlich weniger darum eine bestimmte Mannschaft – ausser natürlich ihrer Bafana Bafana - anzufeuern. Die wollen einfach ein möglich gutes Match sehen, letztlich egal wer es ihnen bietet. Sie feiern das Spiel an sich und letztendlich den Sieger. Wer so spielt wie die deutsche Mannschaft gegen England oder Argentinien, dem fliegen hier die Herzen zu, und wenn sie gegen einen Gegner wie Spanien knapp verliert, dann leidet man mit ihr. Eins hat der Kollege Stefan Osterhaus von der NZZ in seiner Lobeshyme „Glänzende Perspektiven“ richtig erkannt: die südafrikanischen Fans haben die deutsche Mannschaft quasi adoptiert: Der schwarze Adler und die schwarz-rot-goldenen Streifen auf schwarze Haut, das hat er genauso wie ich registriert, beherrschten die Fanszene. Und heute Abend hofft ganz Südafrika auf einen Sieg von „Germania Bafana“ oder wie einer mit entsprechender Kenntnis der Bundesliga meinte „Bavaria Bafana“ über Uruguay als Revanche für die 0 : 3 Niederlage ihrer eigenen Jungs und den Sieg über „Ghana Bafana“. Auch haben sich die „Urus“ hier wenig Freunde damit gemacht, dass sie der Qualität südafrikanischer Nahrungsmittel misstrauend mit 1.200 Kilo Rindfleisch, Fisch und Huhn im Gepäck angereist waren.

Unvergesslicher Moment


Noch etwas mehr als 24 Stunden, dann ist auch diese erste Fussball WM auf afrikanischem Boden Geschichte. Und die Welt reibt sich verwundert die Augen. Das hat viele Gründe. Die Stadien sind allen negativen Tartarenmeldungen der europäischen Medien trotzend so früh fertig gewesen wie in keinem anderen WM-Land der vergangen 20 Jahre. Nicht mal in Deutschland war dies der Fall. Und die neuen Stadien sind traumhafte architektonische Meisterwerke die von der internationalen Architekturkritik in den Himmel gelobt werden. „Kathedralen des Fussballs“ wie Roman Hollenstein in der NZZ schrieb.



Ich habe am vergangen Wochenende in einer dieser Kathedralen, dem Green Point Stadium in Cape Town, gesessen ganz oben im dritten Rang mitten unter den Fans und das Spiel Deutschland vs. Argentinien gesehen. Es war ein Erlebnis, das ich mein Lebtag nicht vergessen werde: den Blick ins weite Rund mit 64.100 Menschen, den Blick durch das ufoähnliche Oval ins den frühen Abendhimmel und jene 88. Minute in der tief unter mir Bastian Schweinsteiger kreuz und quer durch die argentinische Abwehr irrlichterte und schliesslich Klose zum 4 : 0 bediente. Für mich war das Fussballgeschichte.

Donnerstag, 08.07.2010

GO GERMANIA BAFANA!


Nicht den Kopf hängen lassen, Jungs! Auch ohne Titel seid Ihr die beste Mannschqaft die Deutschland seit den 1970er Jahren hatte. Und mit Thomas Müller, der wegen zweier dämlicher gelber Karten fehlen musste, hät´s auch diesmal schon gegen Spanien geklappt. Die Spanier hätten ihre respektvolle Dreier-Manndeckung für Miroslav Klose aufgeben müssen oder sie hätten Müller die Chancen auf dem Silbertablett serviert. Aber erstens: die nächste Euro kommt bestimmt, nänmlich 2012 und Polen und der Ukraine. Das sind Quasi doppeltes Heimspiele für das Duo Podolski und Klose. Da sollte die Revanche doch drin sein. Und zweitens habt ihr am Samstag noch eine wichtige Aufgabe zu erledigen. Ganz Südafrika drückt euch dafür die Daumen. Alle Hoffnungen der südafrikanischen Fans für eine „Revanche“ gegen Uruguay ruhen jetzt auch Euch. Die Urus haben BAFANA BAFANA 3 : 0 geschlagen jetzt erwarten die Südafrikaner von GERMANIA BAFANA ein standesgemässes 4 :0. Ich weiss, das wird schwer für Euch, aber versuchen solltet ihr es trotzdem. Die Herzen der Menschen dort am Kap habt ihr längst erobert, aber dann „you will come back as heroes!“ GO GERMANIA BAFGANA GO!

Wer holt den „Goldenen Schuh“?


Auch wenn’s mit dem Sommermärchen und dem vierten WM-Titel nun nichts wird, am Samstag geht’s immerhin gegen Urugugay um den dritten Platz dieser WM. Und seien wir ehrlich: das hätte vor dem Turnier niemand dem deutschen Team zugetraut. Viele tippten auf ein Ausscheiden in der Vorrunde oder spätestens im Viertelfinale. Stattdessen haben sie bravourös England geschlagen, Argentinien entzaubert und sind erst gegen Spanien an ihre Grenzen gestossen. Das ist alles andere als eine Schande. Und zwei weitere Chancen bleiben zudem noch für die deutsche Sturmspitze Miroslav Klose.

Mittwoch, 07.07.2010

Fussball WM treibt Südafrikas Weinexport


Mit der Fussballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika ist es zum ersten Mal einer nationalen Weinindustrie gelungen von einem sportlichen Grossereignis zu profitieren. Weder in Deutschland (2006), in Österreich und der Schweiz (2008), Portugal (2004), auch nicht Griechenland bei den Olympischen Spielen (2004) oder Australien (2000) waren die Produzenten oder die Verbände dazu in der Lage. Sie alle haben die riesige Chance, die sich ihnen da jeweils geboten hat, völlig verpennt. Ganz anders Südafrika. Das Land strebt ganz konsequent ein zweistelliges Exportwachstum an, getragen vor allem von den Fussball begeisterten Ländern in Europa und Südamerika. Allein in Deutschland stieg der Import von Flaschenweinen aus Südafrika im ersten Halbjahr 2010 um sagenhafte 50 Prozent von 7,6 Mio. auf 11,5 Mio. Liter und der Gesamtimport inkl. Bulk-Weine um 14 Prozent von 22,3 Mio. Liter auf 36,9 Mio. Liter. Unter anderem darüber habe ich mich in Paarl mit Razvan Macici, dem aus Rumänien stammenden Chefkellermeister von Nederburg, unterhalten.



Nederburg ist einer der offiziellen Sponsoren dieser WM und darf als solcher offizielle FIFA-WM-Weine auf den Markt bringen. Mehr als eine Million Liter wurden von der Range mit drei Weinen – einem Sauvignon blanc, einem Cabernet Sauvignon und einem Rosé - gefüllt. „Doch die absolute Zahl ist nicht so wichtig“, so Macici im Gespräch im dem Weinreporter, „sondern das Prestige, der Imagegewinn durch weltweiten Präsenz.“

Vuvuzela literarisch


Fred Khumalo hat auf seiner wöchentlichen Seite in der Kapstadter Sunday Times ein Poem über die Vuvuzela veröffentlicht, geschrieben im Stil des südafrikanischen Volksdichters Mzwakhew Mbuli: "Vuvuzela, you national hero!" Hier ein kurzer Auszug:
I put my lips onto yours, and together we made music so grand,
blood-curdling war songs that the enemy couldn't understand.
So they called you a curse,
and me worse.
Parreira was right, Vuvuzela, you are a hero.
They said you sounded like a goat at the slaughterhouse
Ah, the shallowness of their minds, the bloody cows!
A swarm of angry bees, they called you,
as I blew you, and blew you.
Parreira was right, Vuvuzela, you are a hero.
Den vollständigen Text gibt es hier.

Freitag, 02.07.2010

Ein Fundi, der deutschen Riesling liebt


Gestern Abend konnte ich im Restaurant „The Roundhouse“ in Camps Bay einen der durch die südafrikanische Weinwirtschaft ausgebildeten jungen, schwarzen Weinkellner, Fundi genannt, in action erleben und interviewen: Clifford Kafgsu (28) aus Zimbabwe. Er ist einer von mittlerweile 1263 Fundis, die mit Hilfe eines speziellen von der Weinwirtschaft durch den Verkauf von Benefiz-Weinen geförderten Programms ausgebildet wurden. Bis Ende des Jahres sollen es 2010 Fundis werden. In Deutschland gibt es den Fundi Wein von Anwilka zu kaufen, dessen kompletter Reinerlös in das Programm fliesst. Inzwischen hat Importeur Jörg Linke davon 1.200 Flaschen verkauft und damit 24 Ausbildungsplätze finanziert.

Für Clifford hat sich Dank des Fundi-Projektes das Leben gründlich zum Besseren gewendet, auch wenn in seinem Fall der eine oder andere Zufall im mit im Spiel war. 2007 verliess er seine politisch unsichere und wirtschaftlich abgestürzte Heimat, weil er dort keine Zukunft mehr für sich sah. Er arbeitete zuletzt in einem Hotel als Burger-Brater ohne Chance weiterzukommen. In Südafrika angekommen wusste er zunächst nicht so recht was und wohin. Dann lernte er zufällig Paul Rowett von der Firma Let´s sell Lobster kennen, der gerade das Roundhouse erworben hatte und es aufwendig restaurieren liess. Er gab Clifford den Rat sich als Weinkellner ausbilden zu lassen. Für den jungen Immigranten, der auf Grund seiner Religion keinen Alkohol trinkt, mag das zunächst eine merkwürdige Vorstellung gewesen sein, doch er begriff die Chance, die sich ihm da bot, und er hielt durch Pauls Beziehungen als einer der ersten einen Fundi-Platz.

Weinprobe über den Wolken


Während des Fluges von Frankfurt nach Johannesburg hatte ich Gelegenheit mich ausgiebig mit dem Wein-Angebot von South African Airways für die Economy Klasse zu beschäftigen. In der Business Class strotzt die zweiseitige Weinliste nur so vor prominenten Namen: Kleine Zalze, Newton Johnson, Rijks´s, Amani etc. Ausgeschenkt wird dort aus handelsüblichen 0,75 l Flaschen. Die Normal-Flieger bekommen den Wein in den 0,25 l Portionsfläschchen mit Schraubverschluss. Das Angebot ist zumindest quantitativ in Ordnung. Wer Dröhnung sucht, findet genug Stoff, wie die lautstarke Russen-Party, die erste durch den Chef-Purser nachdrücklich beendet wurde.



Die Frage lautete nicht einfach: red or white? Fünf Weine offerierte mir die freundliche Stewardess, die ich dann auf rund 9000 Fuss Höhe zwischen Palermo und Tripolis verkostet habe: drei Weissweine Danie de Wet Limestone Chardonnay 2008, Fairhills Sauvignon blanc 2009 und Simonsig Adelsblanc, eine Cuvée aus Sauvignon blanc und Semillon, dazu den Rosé 2010 von Seidelberg und als Rotwein Anura Maestro 2008, eine Cuée aus Shiraz, Mourvèdre, Grenache und Viognier. Dieser Wein hat zwar 4 Sterne im Platter´s Guide, ich frage mich nur wofür? Das ist überextrahiert, alkohollastig, fett und bitter. Ein ausgesprochener no-spass-wine! Die drei Weissen würde ich mehr oder minder auch in diese Kiste packen wollen, auch den gar nicht adeligen Simonsig: flach, teils müde und platt oder limonadig. Touri-Weine für Touristen-Klasse halt. Einzig der frische, aber auch gehaltvolle Seidelberg Rosé machte Spass pur genauso wie mit Mineralwasser zum Longdrink gespritzt.

Dienstag, 29.06.2010

Tortilla panibéricana & Kanonkop


Ach hätten die beiden Mannschaften aus Portugal und Spanien heute Abend doch so gut gespielt wie die paniberische Tortilla geschmeckt hat, die ich ihnen zu Ehren angerichtet hatte ohne Kartoffeln dafür mit Chorizo, Muscheln, Paprika, Oliven, Anchovis und Chili. Es wäre ein wunderbarer Fussball-Abend geworden. So sah man gut organisierte Spanier gegen müde Portugiesen. Erwartet hatte ich so etwas wie ein vorweggenommenes Endspiel, bei dem beide Teams bis auf´s Messer kämpfen um weiter zu kommen. So machten die Spanier in einer Zehn- Minuten-Spitzenfussballphase alles klar und verwalteten anschliessend clever ihr 1 : 0. Und so fährt ein weiterer als potentieller Torfschützenkönig dieser WM vorab hoch gelobter Superstar vorzeitig nach hause: erst Rooney abgemeldet, jetzt Ronaldo entzaubert. Eine alte Fussballweisheit sagt: Meister wird nur wer in´s Endspiel kommt. Das gilt auch für Weltmeister.



Zu Tortilla und Spiel gab´s im Glas den roten Klassiker vom Kap schlechthin Paul Sauer von Kanonkop aus dem aktuellen Jahrgang 2006. Ein echter Weltmeister-Wein vom Simonsberg bei Stellenbosch aus mittlerweile 22 Jahre alten Rebstöcken. Ein charaktervoller Bordeaux-Blend aus den beiden Cabenets und Merlot mit einer dichten, dunklen rubinroten Farbe. Am Gaumen konzentrierte rote Frucht, leicht rauchig, mineralisch. Jetzt als junger Wein bereits sehr gut zu trinken, aber man kann ihn natürlich auch noch zehn, 15 Jahre liegen lassen, um ihn dann als gereiften Wein zu geniessen.

Montag, 28.06.2010

Ceviche & Chardonnay


So langsam trennt sich bei dieser WM die Spreu vom Weizen. Sowohl die Slowakei als auch die Chilenen kämpften tapfer aber gegen die Routiniers aus Holland und Brasilien hatten sie letztlich keine Chance. So stehen uns nach gestern und heute mit Argentinien vs. Deutschland und Holland vs. Brasilien im Viertelfinale zwei echte Weltklasse-Begegnungen bevor. Da würde es mich nicht wundern, wenn die jeweiligen Sieger dieser Begegnungen dann im Finale aufeinandertreffen würden.



Für die heutigen Achtelfinalspiele habe ich einen fussballbegeisterten Kochkünstler gebeten die vier teilnehmenden Nationen – Brasilien, Chile, Holland, Slowakei - auf einem Teller zu vereinen: Franco Bianca vom Ristorante San Michele in Hamburg. Er hat diese kulinarische Herausforderung mit Bravour gemeistert und zwar mit einer Variation zum Thema Ceviche: Matjes für Holland und Bacala für Chile und Brasilien kombiniert mit Avocado, Zitrus und Chili. Kalt und sauer der Matjes, lauwarm und spicy der Stockfisch. Auch die Slowakei hat er ins Bild gebracht und zwar mit gebratenen Polentaschnitten, die man dort genauso gerne isst wie in Italien. Dazu gab´s als passenden Wein einen saftig, frischen Chardonnay von Lourensford aus Südafrika.

Sonntag, 27.06.2010

Fish & Chips & Riesling


Es war wieder eines dieser legendären Spiele zwischen Deutschland und England , das den Mythos dieser Begegnung weiter zementiert. Diesmal ein klarer 4 : 1 Sieg inkl. eines umgekehrten „Wembley-Tors“. 44 Jahre hat es gedauert bis die Schmach von 1966 auf denkwürdige Weise getilgt wurde. Das Spiel wird als „der Tag von Bloemfontein“ in die Analen eingehen und „,muller-ed“ ist der neue englische Synonym für „geschlagen“, „erledigt“, „fertig gemacht“. Der beste Satz des Tages kam von Günter Netzer: "In solchen Spielen werden Helden geboren." Und der Held des Tages heisst Thomas Müller und trägt die Nummer 13. Eigentlich hätte es heute Weisswurst mit Brezn geben müssen. Auch die Paulaner Hefeweisse lag schon kalt; denn streng genommen hat der Bayern-Block die Briten geschlagen: 1 x Klose, 2 x Müller mit Hilfe von 1 x Ex-Bayer Poldi. Aber das habe ich dann doch Waldi´s WM-Club überlassen. habe ich mich doch für eine kleine kulinarische Sympathiebekundung an unseren Lieblingsgegner entschieden: Fish and Chips u.a. auch deshalb weil sich dieses Gericht am besten mit deutschem Riesling runterspülen lässt. In diesem Falle der saftige 2009 Turmberg von Robert Weil aus dem Rheingau, allerdings aus einem traditionellen kleinen pfälzischen stillosen Römer mit dem Löwen auf der Brust.



Ja und dann das zweite Spiel, in dem unser Viertelfinal-Gegner ermittelt wurde: Argentinien. Für die meisten Kommentatoren ist der Argentinier Lionel Messi noch immer der beste Fussballspieler der Welt. Es wird Zeit gegen diese Einschätzung Bedenken anzumelden. Der beste Schönwetter-Fussballer der Welt ja!. Aber wehe wenn ihm die Verteidiger mit Manndeckung auf den Füssen stehen. Dann fordert sein Coach Maradona eine „Lex Messi“ in Form von besonderem Schutz durch die Unparteischen für den Ballzauberer. Für mich ist er bereits jetzt entzaubert. Vereinsfussball mit dem FC Barcelona ist eine Sache, wenn man aber gegen die Besten oder auch nur die Cleversten bzw. Engagiertesten der Welt antreten muss, gehört mehr dazu als artistische Ballbehandlung um Tore zu schiessen. Thomas Müller und Klose sind gute Beispiele für diese unbedingte Durchsetzungskraft. Deshalb taucht der Name Messi auch zu Recht nicht in der Liste der WM-Torjäger auf. Da steht sein Kollege Gonzalo Higuain mit vier Torenn an der Spitze gefolgt von mit jeweils drei Toren David Villa (Spanien), Luis Suarez (Uruguay), Asamoah Gyan (Ghana), Robert Vittek (Slowakei) undThomas Müller (Deutschland).

Samstag, 26.06.2010

Spare Ribs & Shito & Syrah


Heute ging alles schön der Reihe nach: erst mit Wayne Morris und Ralf Bochinski im Keller gerockt, dann gemütlich Erdbeeren gepflückt und schliesslich Fussball geguckt und gekocht. Inspiriert vom zweiten Achtelfinale am Abend zwischen den USA und Ghana gab´s Spare Ribs mit Shito. Das ist eine scharfe ghanaische Würztunke auf der Basis von Pfefferschoten und Tomaten. Schmeckt super und ich kann dieses Rezept nur jedem zum nachkochen empfehlen. Genau wie den Conebush Syrah von Lomond vom südlichsten Punkt Südafrikas bei Cape Agulhas – ein Wein mit der Würze des fynbos und der Süsse sehr reifer Trauben, frisch, fruchtbetont und saftig. Ein Spitzen Grillwein!



Und dann diese Spiel! Zum ersten Mal kam bei dieser Begegnung so etwas wie echte Spannung bis zur letzten Minute auf. 126 Minuten, in denen die Ghanaer durch die individuelle Qualität seiner Spieler überzeugte. Keeper Kingson machte ein unglaubliches Spiel, vermutlich das beste seiner Karriere. Auch wenn die US-Boys es mit der Brechstange versuchten. Selbst der amerikanische Tormann wagte sich bis in den gegnerischen 16er vor. Die Amerikaner körperlich stark und mit unbändigen Siegeswillen gesegnet, aber eben spielerisch klar unterlegen. Ghana war einfach die bessere Mannschaft. Im Viertelfinale geht’s für die Black Stars gegen Uruguay und zwar am 2. Juli in Soccer City. Das wird ein Mörderspiel werden. Die 94.700 Plätze dürften ausverkauft sein und schätzungsweise 60.000 Vuvuzelas werden dann alles geben um die einzige verbliebene afrikanische Mannschaft ins Halbfinale zu tröten. Voraussichtlich werde ich dieses Spiel bei einem Public Viewing im Township Gugulethu in Südafrika erleben. Kein Frage für wenn da mein Herz schlagen und meine Vuvuzela ihre Stimme erheben wird als wär´s eine Posaune vor Jericho.

Freitag, 25.06.2010

Chorizo, Habaneros & Schweizer Käse


Bin ich froh, dass die Vorrunde dieser Fussball-WM vorbei ist. Soviel elendes oder taktisches Hin- und Her-Gekicke, war nicht länger zu ertragen. Morgen beginnt das Achtelfinale und das ist fest in der Hand der Europäer und Lateinamerikaner. Die haben denn aber auch die Möglichkeit, sich selbst schnell gegenseitig eliminieren zu dürfen: Argentinien vs. Mexiko. Brasilien vs. Chile, Deutschland vs. England. Niederlande vs. Slowakei und Spanien vs. Portugal. Das eröffnet Aussenseitern wie USA, Japan oder Südkorea ungeahnte Möglichkeiten



Nach dem lahmen Spiel des Nachmittags zwischen Brasilien und Portugal hatte ich in Erwartung eines heissen Matchs zwischen der Schweiz und Honduras, Max Reichle, Chef des karibischen Restaurants „Roatan“ unweit des Fischmarktes in Hamburg St. Pauli, um einen scharfen Grill-Spies gebeten. Und diesen Wunsch hat er mir erfüllt: Chorizo und superscharfe Habaneros gegrillt und mit Schweizer Käse gratiniert, serviert mit roten Zwiebeln, Paprika und Koriander in einer Tortilla. Im Endergebnis blieb es das einzige wirklich scharfe Teil des Tages.

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