Donnerstag, 24.07.2008

Wein und Pornographie auf einer Stufe

In Frankreich sind Regierung und Parlament offenbar wild entschlossne, die Werbebeschränkungen für Alkohol, die aus dem Evin Gesetz von 1991 resultieren noch weiter zu verschärfen. Nach dem kürzlich gefassten Senatsbeschluss war dies vor allem von französischen Weinbloggern befürchtet worden.

Laut einem Bericht des Decanter kursiert in Frankreich seit gestern die Kopie eines Gesetzentwurfes, der vorsieht künftig Alkohol im Internet genauso zu behandeln wie Pornographie. Demnach müssten dann angeblich alle Seiten, die sich mit alkoholischen Getränken wie Wein beschäftigen zu normalen Tageszeiten abgeschaltet werden, wenn Kinder und Jugendliche das Internet unbeaufsichtigt nutzen können. Werbung für Alkohol soll demnach auf die Seiten der Erzeuger beschränkt werden. Jede Alkohol-Werbung auf Seiten von Dritten wäre dann verboten. Auch soll jede Form von PR für Alkohol im Internet verboten werden. Die Organisation vin et societé hat Protest dagegen angekündigt genauso wie die Internet-Seite findawine.com, die eine Petition "Solidarity with french wine on the web" lanciert hat. Diese Solidaritäts-Liste wurde bisher von fast 5000 Menschen unterschrieben.

Kommentare

Wie kann die französische Legislative nur so brutal an ihren eigenen Wurzeln sägen? Hoffentlich wird das noch gerade gebogen!
Lars Breidenbach | 24.07.2008 - 19:56
Wenn wir nicht alle und aus allen Rohren dagegen schiessen und für weltweite Aufmerksamkeit sorgen, wird das so kommen und zwar nicht nur in Frankreich sondern nach und nach in der gesamten EU. Die radikalen französischen Alkoholgegner haben die entsprechenden Etagen in Brüssel längst unterwandert. Ich sage nur: Tabak. Das hätte vor zehn Jahren auch niemand für möglich gehalten.
Mario Scheuermann | 24.07.2008 - 20:06
Das ist einfach lächerlich. Die Franzosen würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden, wenn keiner mehr ihren Wein kauft. Außerdem gibt es in dem Land weiß Gott größere Probleme, um die man sich kümmern müsste.

Ich hoffe sehr, dass man die Weinwerbung bzw. Berichterstattung in Deutschland auch künftig zu jeder Tages- und Nachtzeit gestattet, weiß man doch inzwischen sehr genau, dass Wein nicht nur mit Genuss und Lebensfreude, sondern auch mit Gesundheit in Verbindung gebracht wird.
Gabriele Werner | 28.07.2008 - 14:51
Eines war klar: Dass Gesetze, die zuerst "böse" Dinge wie Pornographie verbieten, nach und nach überschwappen auf andere Gebiete. Die Meinungs- und damit verbunden die Informationsfreiheit ist in der EU in ganz erheblicher Gefahr. Wehret den Anfängen!
Dr. Daniel Kötz | 30.10.2008 - 20:29

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