Samstag, 29.11.2008
100 % Wein: besser als erwartet

Natürlich war das keine Sendung für Kenner. Aber als solche ist sie auch nicht gedacht. Für Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller dürfte sie dagegen manch wissenswerte Neuigkeit geboten haben. Machten doch die eingeblendeten Konsumenten-Interviews im Supermarkt und auf der Strasse deutlich, dass deren Kaufentscheidungen nach höchst simplen Kriterien fallen, täglich und millionenfach: süss oder sauer, rot oder weiss, Mosel mag ich oder mag ich nicht, über 5 Euro oder unter fünf Euro.
Als Protagonisten der Mosel traten auf : Ernst Loosen (Dr. Loosen), Nik Weiss (Urbanshof), Jürgen Weber und Michael Siewers (Margarethenhof), ausserdem und das fand ich den bemerkenswertesten Part in der Sendung Michael Willkomm von der Kellerei Mertes. Wer weiss wie öffentlichkeitsscheu dieses Unternehmen ist kann nur sagen: Hut ab.
Die Redaktion war durchaus bemüht die verschiedenen Seiten des heutigen Weinwelt zu zeigen: hier der traditionelle Familienbetrieb dort die Grosskellerei und erfreulicherweise wurde dabei nicht schwarz-weiss gemalt sondern man blieb bei den Fakten. Supermarktwein ist nicht so billig, weil er schlechter ist, sondern weil es ihm an Individualität fehlt und die Kellereien dadurch enorme Vorteile haben nicht nur bei Anbau und Verarbeitung sondern auch bei der Logistik. Hochwertige Winzerweine sind u. a. deshalb soviel teurer weil die Kosten für einen Tag händische Lesearbeit im Herbst in der Steillage zehn Mal so hoch sind wie die Tagesmiete für einen Vollernter in der Flachlage.
Unverhohlen wurde gezeigt, dass auch der kleine Winzer heute ein erhebliches Mass an modernster Technik zum Einsatz bringt. Der unterschied zwischen Spontanvergärung und Reinzuchthefen wurde erklärt, aber weder die eine Methode zum Kult erhoben noch die andere verteufelt. Das alles ging leider ziemlich husch-husch über den Bildschirm. Ein bisschen mehr Tiefe hätte man sich dabei schon gewünscht und wäre sicher auch möglich gewesen.
Als einziger der angekündigten Experten war Gerhard Retter, Restaurantleiter und Chefsommelier des Berliner Adlon, kurz im Bild. Und der der Aromaexperte wurde nach einem kurzen Experiment einen sauren Elbling mit Hilfe einer Olive süss schmecken zu lassen kurzerhand abgewürgt. Dabei hatte er doch - wenn ich richtig gezählt habe - vier Weine zum Aromatest vorbereitet.
Scheuermann um 20:05 | Wein | TrackBack (0) | 5 Kommentare | Artikel versenden
Kommentare
ist schon richtig, dass es auch schlimmer hätte kommen können. Aber, wie ich in meinem Blog schreibe, messe ich diese Sendung eben an einigen hervorragenden, detailreichen, informativen und sogar spannenden Dokus der Privatsender, an die ich mich erinnere.
Und die waren ja wohl für ähnliche, wenn nicht identische Zuschauergruppen gemacht. Es geht also - und daher rührt ein wenig meine Enttäuschung vor dieser Null-Nummer
Eckhard







