Montag, 12.01.2009
Verkaufsgerüchte um das Weinmagazin Vinum
Über die Hintergründe des geplanten Verkaufs kursieren in der Branche eine ganze Reihe von Gerüchten, die man ohne Übertreibung als „wild“ bezeichnen kann. Vor allem von einer erheblichen Misswirtschaft bei der Schweizer Intervinum AG ist die Rede. Angesichts einer sich dort abzeichnenden Bilanz-Katastrophe für 2008 habe in Münster der Aufsichtsrat kurz vor Weihnachten die Notbremse gezogen und den Verkauf beschlossen. Gleichzeitig trennte sich der Verlag endgültig auch von dem früheren Leiter der Redaktion Rolf Bichsel in Bordeaux, der in den vergangenen beiden Jahren mit Sonderaufgaben betraut war. Das Büro in Bordeaux ist geschlossen.
Während die deutsche Vinum GmbH in den vergangenen beiden Jahren zumindest beim Anzeigengeschäft den Turnaround in die schwarzen Zahlen geschafft haben soll, stand die Schweizer Firma offenbar kurz vor dem Konkurs und konnte nur durch eine Finanzspritze aus Münster davor gerettet werden. Gleichzeitig wurden harte Sanierungsmassnahmen ergriffen.
Der Landwirtschaftsverlag hatte am im Januar 2002 die Mehrheit an den beiden Firmen übernommen. Damals war Vinum eines der auflagenstärksten Weinmagazine Europas mit vier unterschiedlichen Ausgaben in der Schweiz, Deutschland/Österreich, Frankreich und Spanien. Der Landwirtschaftsverlag gibt zwei Dutzend Zeitschriften heraus vor allem im Agrarbereich. Spitzenreiter ist „top agrar“ mit einer Auflage von mehr als 120.000 Exemplaren monatlich. Das Unternehmen erwirtschaftet mit seinen Objekten einen Jahresumsatz von über 100 Millionen Euro.
Die Übernahme von Vinum hatte man damals nach eigenem Bekunden als „strategisches Investment“ gesehen. Ziel war es wohl ein eigenes Lifestyle-Segment aufzubauen zu dem u.a. auch der erfolgreiche Titel „Landlust“ zählte. Allerdings erwiesen sich die Unternehmenskulturen schon bald als so verschieden, dass dies kaum eine Chance für eine Verwirklichung hatte. Die erhoffte Stärkung des Vinum-Vertriebs in Deutschland und ein damit verbundenes Auflagenwachstum blieb aus. Im Gegenteil. Die verkaufte Auflage sank vom 3. Quartal 2006 zum 3. Quartal 2008 um 22,3 Prozent von 48.387 auf 37.952. Online-Projekte wurden immer wieder auf die lange Bank geschoben bzw. begraben. Die angekündigten Lizenzausgaben in anderen europäischen Markt- und Sprachräumen wurden nicht realisiert.
Kommentare
über ein Ende von Vinum bin ich eigentlich nicht überrascht und habe das ganze auch irgenwie auf kurz oder lang kommen sehen.
Als Händler war ich bei Vinum registriert(Kosten 100 Euro Jahresbeitrag), dafür Stand unter anderem die Leistung, seine Weine zu den Verkostungen einzusenden,
damit Sie dann in den geplanten Ausgabe erscheinen(von wegen).
Mehrfach habe ich Weine angemeldet und keinerlei Reaktion erhalten und bei Rückruf hieß es dann nur (es tut uns leid.)Ich glaube, dass sich außer mir auch andere Händler bei Vinum verabschiedet haben,den 100 Euro für nichts halte ich für Abzocke und sicherlich war ich da nicht der einzigste Betroffene und über die Frage der Kompetenz ist somit ja auch alles ausgesagt.
mfg.K.Ruckmich
Ich hatte damals geschrieben: “Dasselbe (ihnen könnte die Luft ausgehen, E. S.) gilt für die noch verbliebenen drei oder vier Weinzeitschriften (v. a. Vinum, Weinwelt, Wein Gourmet), die seit vier oder fünf Jahren allesamt recht kontinuierlich Leser verlieren, so dass man sich bei einigen von ihnen - wohlgemerkt, ich spreche von den “Publikums”titeln, nicht von den Fachblättchen - schon fragen muss, ob überhaupt noch jemand außer Winzern und Weinhändlern sie liest. Wenn ihnen das Anzeigengeschäft in den kommenden Monaten substanziell wegbricht, werden wohl nur eine oder zwei überleben.”
Zwei, drei weitere Anmerkungen zu der Entwicklung habe ich unter http://enoworldwine.wordpress.com/2009/01/12/vinum-am-ende-verkaufsgeruchte-im-umlauf/ gemacht.









