Montag, 02.02.2009
350 Jahre Weinbau am Kap
Am heutigen Montag feiert die Weinwirtschaft in Südafrika ein seltenes Jubiläum. Es ist genau 350 Jahre her, dass dort am 2. Februar 1659 der erste Wein gekeltert wurde. An diesem Tag schrieb der Gouverneur der jungen holländischen Kolonie Jan van Riebeeck in sein Tagebuch: „Heute, der Herr sei gepriesen, wurde zum ersten Mal aus Kaptrauben Most zur Weinbereitung gepresst.“ Bei den Trauben handelt es sich vor allem um Muskat und andere. runde weiche Trauben, die sehr duftig und saftig sind.“ Es handelte sich also um jene Sorte, aus der noch heute der Vin de Constance gekeltert wird: Muscat blanc à petits grains. Selten ist dieses Ereignis deshalb, weil, es nur relativ wenige historische Weinbauregionen auf der Welt gibt, die zum einen ein exaktes Datum für den Beginn ihres Weinbaus kennen und in denen noch heute Wein aus den gleichen Trauben und im gleichen Stil wie damals produziert und in die gleiche altertümliche Flaschenform gefüllt wird. Um sich die Dimension klar zu machen: als die ersten Kap-Muscats gekeltert wurden, gab es im Rheingau noch keine Spätlese und in der Toskana noch keinen Chianti, das Médoc in Bordeaux war noch weitgehend Sumpfland und weder Portwein noch Champagner waren erfunden.
Ihre grösste Blütezeit erreichten die Constantia-Weine ab 1778, als die Familie Cloete Groot Constantia kaufte. Der russische Zar, Napoleon I, Louis XVI, dies Erzbischöfe von Bamberg und viele andere europäischen Herrscher schätzen die süßen Weine aus Südafrika. Der Vin de Constance wurde zur grossen Mode des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts.
Anders als ein Sauternes oder ein Aszu Wein in Ungarn wird der Vin de Constance aus gesunden, besonders reifen Trauben ohne Botrytis-Befall produziert. Die Lese erfolgt bei ca. 190 Öchsle mit einem Ertrag von nur 4 Tonnen pro Hektar. Nach der Gärung wird er 18 bis 24 Monate in gebrauchten 500 Liter-Barriques aus französischer Eiche ausgebaut. Der Wein hat einen Zuckergehalt zwischen 120 und 140 gL und einen Alkoholgehalt von etwa 14 bis 14,5 % vol. Pro Jahr werden lediglich 25.000 Flaschen produziert.
Die zwei ältesten Constantia Weine, die ich 1984 probieren konnte, stammten aus der Zeit um ca. 1750 bzw. ca, 1760. Ausserdem habe ich 1991 einen Constantia Wein aus dem Jahr 1791 getrunken. Die Weine waren alle deutlich braun gefärbt aber noch erstaunlich gut erhalten. Mit einer deutlichen und angenehmen Süsse am Gaumen, einem Rest von Frucht, und die beiden älteren auch mit feinen Karamellnoten. Sie hielten aber im Glas jeweils nur eine kurze Zeit ehe sie abflachten und stärker oxydierten. Für Weine mit einem Alter von 200 und mehr Jahren, war das schon sehr bemerkenswert; denn eine solche Langlebigkeit findet man normalerweise nur bei alten Tokajern und Sauternes.
Und wie schmeckt der Vin de Constance heute? Das sollen zwei Notizen der Jahrgänge 1991 und 2000.
1991 Vin de ConstanceDiese Weine sind seit einigen Jahren wieder gesucht und auf dem besten Weg ihr einstiges Renome wieder zu erlangen. Es gibt hohe Bewertungen auch von Parker (93/100) und vom Decanter (92/100). Der Wein wird weltweit exportiert und darf nach der Aufhebung des Importverbotes auch seit 2002 wieder in die EU importiert werden. Er steht auf den Listen zahlreicher nobler Hotels und Restaurants wie Raffles in Singapur, La Gavroche in London oder Felidia´s in New York und kostet dort zwischen 50 und 100 Dollar für die charakteristische Halbliter-Flasche. In Deutschland wird der Wein in kleinen Stückzahlen von Mack und Schühle importiert uind über die Tochterfirma Weinwelt vertrieben. Der EVP in Deutschland liegt zwischen 35 und 45 Euro. Im Vergleich zu anderen Spitzen-Süssweinen ist der Vin de Constance also noch recht preiswert. Das könnte sich im Jubiläumsjahr aber ändern. In den vergangenen Jahren haben sich bei den Nederburg Auktionen die Preise für ältere Vins de Constance von Klein Constantia bereits verdoppelt. Es bildet sich also zumindest in Südafrika bereits ein echter sekundärer Markt dafür. Für mich ist dies daher der erste südafrikanischen Wein mit einem klaren Spekulationspotenzial.
Honiggoldene Farbe. Eine sehr ausdrucksvolle, komplexe Nase mit Blütenduft, Heu und Honig, auch etwas Kamille. Am Gaumen dickflüssig, deutlich spürbarer Alkohol. Am hinteren Gaumen leicht bitter. Hatte auch etwas von Lebkuchen und Lebertran. Spannender Wein . 90/100 (verkostet 1996)
2000 Vin de Constance
Goldgelb, leicht ins orangefarbene übergehend. Nase mit Honig und überreifer tropischer Frucht, etwas Rosinen. Am Gaumen eine ausdruckstarke Fruchtfülle, dickflüssig, fast schön ölig. Sehr komplex und tief strukturiert. Sehr lange nachklingend und abgehend. 95/100 (verkostet 2006)
Scheuermann um 00:19 | Wein | TrackBack (0) | Kommentieren | Artikel versenden









