Donnerstag, 02.07.2009

Renegaten gegen den Gault Millau

Deutsche Winzer erklären dem Gault Millau den Krieg. So titelt heute die Welt. Ganz soweit ist es natürlich nicht. Krieg ist in Afghanistan, wie Dirk Würtz in seinem Blog ganz richtig bemerkt. Hier haben wir es bislang allenfalls mit einem Sturm im Weinglas zu tun. Immerhin haben 14 namhafte Winzer öffentlich erklärt, keinen Wert mehr auf ein Erscheinen ihres Betriebes samt den Bewertungen im Gault Millau zu legen. Zumindest haben sie dies in einem Brief an den Münchner Christian Verlag, in dem der Führer erscheint, so dargelegt. Folgende Weingüter haben den Brief unterzeichnet:
AHR: Meyer-Näkel
SAAR/MOSEL: Egon Müller, Heymann-Löwenstein
FRANKEN: Fürst
NAHE: Dönnhoff
RHEINGAU: Künstler, Leitz
RHEINHESSEN: Gunderloch
PFALZ: Philippi/Koehler-Ruprecht, Knipser
BADEN: Heger, Seeger, Bercher und Johner
Wie ernst es ihnen damit ist, wenn sie begriffen haben werden, was daraus alles resultieren könnte, wollen wir mal abwarten. Meiner Einschätzung nach stehen sie einer publizistischen Front gegenüber, die breiter ist, als ihnen lieb sein dürfte.

Ausgelöst wurde diese Winzerrevolte durch ein Schreiben des Verlages, in dem dieser vor einigen Wochen allen Betrieben angeboten hatte. gegen eine freiwillige Gebühr von 195 Euro zusätzliche Sonderleistungen über die weiterhin selbstverständlich kostenlose Verkostung und die Publikation hinaus zu erbringen u.a. Gratisexemplare des Buches und die Übertragung von Nutzungsrechten u.a.m.. Dagegen argumentieren die 14 Betriebe: "Die Publikation einer Bewertung von Weingütern und Weinen, die durch einen, wie Sie schreiben "freiwilligen Beitrag" der am Wettbewerb teilnehmenden Weingüter mitfinanziert wird, halten wir für die positive Entwicklung unserer Weinkultur abträglich." Was dies mit der positiven Entwicklung der deutschen Weinkultur zu tun haben könnte, bleibt ein Geheimnis der Unterzeichner. Das ist nichts als eine wohlfeile Worthülse, die sonst vor allem im Windmühlenkampf gegen die Globalisierung der Weinwelt und die Gefahr aus Übersee ins Feld geführt wird. Die Behauptung, man müsse für die redaktionelle Verkostung künftig eine Teilnahmegebühr bezahlen, entspricht im Übrigen nicht den überprüfbaren Tatsachen.

Nun ist das, was die Winzer verlangen, eine Sache, was die Redaktion dann letztendlich tun oder lassen wird eine andere. Das wird man im Herbst nachlesen können. Lambeck macht in seinem Artikel aber noch auf etwas anderes aufmerksam. So schreibt er, dass das Verhältnis zwischen vielen der führenden deutschen Weingüter und den Chefredakteuren des deutschen Gault Millau, Armin Diel und Joel Payne, seit vielen Jahren gespannt sei. Das ist richtig und bekannt. Man darf wohl davon ausgehen, dass, auf diesem Wege alte, offene Rechnungen beglichen werden sollen, persönliche zwischen regionalen Granden des VDP zu denen u.a. Heger, Diel und Müller zählen, aber auch von Gütern, die sich zu recht oder unrecht vom Gault Millau schlecht behandelt fühlten. Auffallend an der Gruppierung der Renegaten ist zu dem die Tatsache, dass mehr als die Hälfte zu jener Gruppe gehört, die sich regelmässig mit dem im Hamburger Jahreszeiten Verlag erscheinenden Magazin „Der Feinschmecker“ bei Messen präsentiert. Ein Schelm wer sich dabei etwas denkt.

Kommentare

Es ist sicherlich klar, dass dieser Brief nur das Fass zum überlaufen brachte und nicht der Hauptgrund für den Ausstieg ist. Die Selbstherrlichkeit von Diel und Konsorten war sicherlich schon lange für viele Winzer unerträglich. Dass Herr Scheuermann, den ich sonst sehr schätze, hier so einseitig Stellung bezieht, finde ich bedauerlich. Als Journalist kann er wohl nicht anders. Den Gault Millau braucht jedoch kein Mensch. Er war in den vergangenen Jahren grad recht als Anstoss zu diversen Streitgesprächen.
weini | 03.07.2009 - 07:19
Normalerweise werden solche anonymen Kommentare im Drink Tank sofort gelöscht. In diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht, obwohl ich solche Äusserungen ohne sich öffentlich dazu zu bekennen für grenzwertig halte und vor allem für feige.

Natürlich war und ist der GM immer als Anstoss für Streitgespräche gut. Ich habe die oft genug selbst vom Zaun gebrochen und oft genug den Finger in die Wunden gelegt. Aber bei aller kritischer Distanz zu dem Führer und seinen Machern, halte ich die Argumentation der 14 Briefschreiber für verlogen.
Mario Scheuermann | 03.07.2009 - 09:53
Was geschieht eigentlich mit dem ohne jeden Zweifel in der Vergangenheit für den deutschen Wein auch verdienstvollen Gault Millau, wenn sich der Rebellion der Spitzengüter plötzlich ganze Kolonnen des VDP anschließen? Lieber und hoch geschätzter Freund Scheuermann, dann hätten die Rebellen sehr wohl gewusst, was sie taten. Der WeinGuide wäre in diesem Moment ein wenig überflüssig. Ganz liebe Grüße aus Berlin!
Lambeck | 03.07.2009 - 09:56
Bei aller im Detail manchmal abweichenden Einschätzungen muss ich doch mal eine Lanze für die Herausgeber des Gault Millau brechen: haben sich denn die Kritiker mal Gedanken gemacht, was es für eine ungeheure Aufgabe darstellt, die Vielfalt des deutschen Weines überhaupt zu erfassen und halbwegs gerecht zu bewerten. Ein Job, bei dem man eigentlich nur verlieren kann: Die hoch bewerteten Winzer werden alle sagen "Ja, da wurde ich richtig erkannt", es bleiben ca. 95% verkannte Künstlerseelen (denn Winzer sind, genau wie ambitionierte Köche, ja eigentlich Künstler) die sich unter Wert behandelt und beurteilt fühlen. Wer frei von Hybris ist werfe den ersten Stein! Dieses gesammelte Agressionspotenzial freiwillig auf sich zu ziehen und dabei unverdrossen Jahr um Jahr den -insgesamt ziemlich gelungenen- Versuch zu unternehmen, die Entwicklung der deutschen Weinlandschaft in ihrer Vielfalt und Dynamik zu erfassen finde ich schon bemerkenswert und verdienstvoll. Mir als Händler ist der Gault Millau jedenfalls eine wertvolle und informative Orientierungshilfe. Und ihn herauszugeben ist ein Job den ich , ehrlich gesagt, nicht würde machen wollen. Also, Messieurs Diel & Payne: Weiter so!
Gerd Rindchen | 03.07.2009 - 10:27
Lieber Kollege Lambeck,
ich sehe da keine Kolonnen von VDP-Winzern sich hinter den 14 Renegaten scharen und gegen die Festuing GM anrennen. Die 14 laufen - wie ich es bereits an anderer Stelle geschrieben haben - Gefahr zu enden wie Florian Geyers schwarze Schar und andere Reichsritter im 16. Jahrhundert: aller Ehren wert aber unterlegen.
Mario Scheuermann | 03.07.2009 - 10:33
meiner Meinung nach gehen zwischen GM und den Winzern ganz andere Dinge vorraus. Warscheinlich brachte die Gebühr von 195.-Euro das ganze Fass zum überlaufen und man hatte jetzt einen handfesten Grund zu revolutionieren. Das man Winzer bei GM nicht erwähnt, schlecht und ungerecht bewertet hat könnte ich mir als Hauptgrund vorstellen.
Das Herr Diel hier kein unbeschriebens Blatt ist, Leute vor den Kopf zu stoßen ist mir schon länger bekannt. Schließlich hat er es sich ja auch bei so einigen Sternegastronomen verscherzt,in dem er schlechte Bewertungen für die Küche abgegeben hat, nur weil diese nicht bereit waren die Weine aus seinem Weingut zu kaufen, was ich für eine riesen Sauerei halte. Zeigt das doch den wahren Charakter dieses Menschen. Da kann ich mir gut vorstellen, das er mit seiner Art auch so einige Winzerbetriebe verprellt hat.Auf die Bewertungen des Herrn Diel gebe ich garnichts, ob nun als Restaurantkritiker oder auch in Sachen Wein da er seine Stellung nur zum Eigennutzen ausübt.
Klaus Ruckmich | 03.07.2009 - 10:45
@Klaus Ruckmich

Mit Behauptungen wie diesen wäre ich sehr vorsichtig. Die grenzen an üble Nachrede. Für diese immer wieder von abgestraften Köchen hinter vorgehaltener Hand erzählte Geschichte, gibt es nicht den leisesten Hauch eines Beweises. Ich halte dies für erfunden und erlogen. Und aus Lügen wird nunmal durch ständiges Wiederholen keine Wahrheit sondern nur eine Verleumdung.
Mario Scheuermann | 03.07.2009 - 11:16
Im uns vorliegenden Schreiben des Christian Verlag vom 8. Juni 2009 wird sehr wohl von einer Teilnahmegebühr gesprochen. Wortwörtlich (zum Ankreuzen): "Ja, wir wollen uns an den Herstellkosten für den Gault Millau Weinguide Deutschland 2010 mit einer Teilnahmegebühr von Euro 195 zzgl. MwSt. beteiligen....Dieser Auftrag wird hinfällig, sollte unser Betrieb wider Erwarten nicht im GM vertreten sein." Damit kann man sicherlich von einem Teilnahmegebühren-Charakter sprechen. Man beachte auch die Formulierung "Herstellkosten", es geht also definitiv nicht um Nutzungsrechte, etc.
Matthias Adams | 03.07.2009 - 13:06
@Mario Scheuermann

Herr Scheuermann,so sehr ich Sie schätze kann ich Ihre Reaktion auf meinen Kommentar im nachhinein verstehen.
Schließlich müßen Sie sich mit diversen Leuten auch gutstellen gehört ja zu Ihrem Beruf.Desto trotz geht es hier nicht um eine Einmaligkeit von einem Restaurant sondern es sind mehrere Fälle aufgetreten und sie glauben doch nicht wirklich das die sich alle kennen und zusammengeschlossen haben um jemanden in die Pfanne zu hauen, der seinen Job ordnungsgemäß macht. Wie gesagt ich kann Ihre Sicht verstehen,schließlich leben Sie auch von solchen Leuten denke ich. Zum anderen bin ich ein Mensch, der seine Geschäfte ordentlich betreibt und von derartigen Praktiken von Geschäftemacherei und Eigennutz nichts halte und aus dem Grund diverse Leute ablehne und auch deren Bewertungen die am Ende nicht neutral beurteilt sind.Schließlich geht es bei bestimmten Bewertungen immer auch um Existensen und Sie wissen denke ich wenn Sie schon lange in Ihrem Job sind, das diverse Angebote von Bewertungs-Institutionen gemacht werden gegen Cash( höhere Sternevergabe) ohne je wirklich das Produkt geprüft zu haben. Ich bin leider kein Schönredner und ich glaube das wissen Sie. Ich übe auch gerne Kritik,wenn Sie angebracht ist auch wenn es manchen nicht gefällt, aber es muß auch niemand meine Ansicht teilen.
Klaus Ruckmich | 03.07.2009 - 13:19
@Klaus Ruckmich

Ihre Ansicht will ich nicht kritisieren und die soll Ihnen auch niemand nehmen dürfen. Aber Sie stellen Behauptungen auf, die zwar schon des öfteren auch von anderen verbreitet wurden, für die aber jeder bislang den Beweis schuldig geblieben ist. Auch sie haben das nicht wirklich hinterfragt sondern geben es nur aus dritter und vierter Hand wieder.

Ich will und muss mich mit niemand gut stellen. Aber ich habe selbst fast 15 Jahre als Restaurantkritiker für führende Blätter gearbeitet und fünf Jahre lang eine Redakktion mit mehreren Restaurantkritikern geleitet und weiss aus dieser Zeit sehr wohl, welchen gefährlichen Unsinn beleidigte Köche von sich geben, wenn sie hart kritisiert werden. Im Falle Armin Diel hat dieser ja auch einen Prozess bis in die letzte Instanz durchgekämpft und in allen Punkten gewonnen.
Mario Scheuermann | 03.07.2009 - 13:35
Ich finde diese Art der Unterzeichner auch etwas scheinheilig. Ganz sicher hat auch die Strahlkraft des GM dazu beigetragen, dass diese Betriebe da stehen,wo sie jetzt sind. Nur einen geilen Wein zu machen reicht da schlicht nicht aus. Und nun dem GM mit so einer Sommerloch-Debatte zu schaden ist recht schäbig. Und dieses "bitte erwähnen Sie uns nicht mehr" ist sowas von abgehoben und hinterhältig...
Stephan Floss | 03.07.2009 - 17:59
Nun ist das, was die Winzer verlangen, eine Sache, was die Redaktion dann letztendlich tun oder lassen wird eine andere. Das wird man im Herbst nachlesen können.
mmaint | 03.07.2009 - 21:44
Es geht hier doch um das Prinzip, dass eine (Wein)kritik, wenn sie einen herausgehobenen Stellenwert (den der GM nun mal hat) behalten will, ohne finanzielle Gegenleistung zustande kommen sollte. Die diversen anderen unbedeutenden entgeltlichen Verkostungen muss man hier wohl nicht erwähnen. Der GM übertritt hier eine Grenze, die das ganze Projekt ad absurdum führt: er büsst seine Freiheit ein; das kann dem Verlag wohl kaum 195,- euro wert sein.

War es bisher selbstverständlich, dass jeder Betrieb sich die Finger nach einem Eintrag leckte und seine Weine gerne kostenlos zur Verfügung stellte, wird der Eintrag nun kaum noch viel Wert sein, das haben die Rebellen richtig erkannt. Da nützt es auch von Seiten der Journaille nichts, grenzenlose Solidarität zu üben: die Herren vom GM haben die Freiheit der Winzer unterschätzt. Richtig, dass diese davon selbstbewußten Gebrauch machen. Von Ihren Wehklagen werden sie kaum beeindruckt sein, Herr Scheuermann.
Achim Jähnisch | 03.07.2009 - 22:53
Herr Scheuermann,
warum gehen Sie nicht auf den Beitrag von Herrn Adams ein, wenn Sie doch alle anderen Beiträge direkt beantworten?
Reinhard Kroh | 03.07.2009 - 23:13
Na Super ... alle finden das toll, dass die "Großen" sich verweigern. Aber wer denkt an die kleinen, jungen Talente, die nur über solche Führer mal bekannt werden können. Die, die sich den Hintern aufreißen im Weinberg und auf solche Publikationen angewiesen sind. Wenn die Güter, die diesen offenen Brief unterzeichnet haben nicht im Gault Millau drinstehen, tut das denen keinen Beinbruch. Die sind ja schon kaum auf irgendwelchen Messen da, weil sich ihr Wein für 20, 30 Euro die Flasche und mehr einfach so verkauft.
Aber wenn so ein Weinführer dadurch an Wichtigkeit verliert, dann interessiert auch niemand mehr die jungen, aufstrebenden Güter die darin genannt werden. Denn in den einschlägigen Magazinen werden auch immer nur die Gleichen genannt ... so wie Tokio Hotel in der Bravo!
Und von den 200 Euronen, die die Winzer freiwillig zahlen können und nicht müssen(!!!) und dafür Belegexemplare, Schildchen, Aufkleber und Abdruckrechte der Artikel bekommen wird weder der Christian Verlag reich, noch tun sich die Winzer weh. Leid tut es mir wirklich um die jungen, aufstrebenden Talente, die sich nun nicht mehr mit den Großen Kollegen in einer Publikation finden können .... Hey ihr Winzer, denkt mal drüber nach - und Gault Millau Leute auch! Da muss sich noch was tun!
felix | 04.07.2009 - 01:52
Interessant ist es, welche Winzer gegen den GM opponieren. Sollten diese auf ihre Einträge im Weinguide verzichten, wäre dann der Schaden für den GM nicht größer als für die Winzer selbst? Denn auf diese konzentriert sich ja eine erhebliche Nachfrage unter Weinkennern -- auch ohne GM. Meiner Meinung nach würde ein Boykott dieser Winzer den GM deutlich abwerten, und nicht andersherum.
T. Mücke | 04.07.2009 - 16:31
Zuvörderst schließe ich mich den Worten Lambecks an, dem ich vor Jahren einen ersten Einstieg in die wunderbare Weinwelt der Großen verdanke.
Zum zweiten: die Argumentation der Teilnahmegebühr- (um nichts anderes handelt es sich) -verweigerer ist weder "verlogen" noch "scheinheilig", sondern, wie mir scheint, dringend geboten. Es geht um nichts Geringeres als um den bösen Schein der Korruption. Dem gilt es zu wehren. In diesem Zusammenhang das Wort "Weinkultur" als "eine wohlfeile Worthülse, die sonst vor allem im Windmühlenkampf gegen die Globalisierung der Weinwelt und die Gefahr aus Übersee ins Feld geführt" werde, abzutun, erscheint mir schlicht unangemessen. Nein: Ich bin dankbar um den Schritt der 14 - vielleicht gelten sie einmal als die 14 Nothelfer eienr sauberen Weinkultur, wenn man mir die gewagte Parallel verzeiht. In diesem Zusammenhang weise ich auf die FAZ vom 7.7. hin, wo der Konflikt sehr objektiv und journalistisch sauber (weniger einseitig als im obigen Beitrag von Herrn Scheuermann) abgehandelt wird.
Dr. Gerhard Hofmann, Berlin
Gerhard Hofmann | 09.07.2009 - 18:12
Vorab: Ich respektiere die Stellungnahme, beispielsweise von Herrn Rindchen, zugunsten des Gault Millau und der Herren Diel / Payne.
Allerdings möchte ich auf Folgendes hinweisen:
Herr Rindchen schreibt in seinem Kommentar "(...) haben sich denn die Kritiker mal Gedanken gemacht, was es für eine ungeheure Aufgabe darstellt, die Vielfalt des deutschen Weines überhaupt zu erfassen und halbwegs gerecht zu bewerten".
Genau darum geht es vielen der hier (und anderswo) Kritikübenden: Das diese sich Gedanken darüber machen, ob und wie "halbwegs gerecht" der Gault Millau eigentlich Weine beurteilt.
In den Köpfen vieler, die Weinkritiken bzw. den Gault Millau lesen schwebt doch letztendlich (bewusst oder unbewusst) der Glaube mit, dass eine Gruppe besonders kompetenter Konsumenten, genannt Weinkritiker, "normative" Kommentare zur Qualität eines Weines oder Weingutes abgeben können.
Nun bringt es die Tatsache des individuellen Verkostungsempfindens mit sich, dass eine Weinkritik letztendlich immer zu einem gewissen Maß subjektiv ist und nie wirklich objektiv sein kann.
Wenn nun allerdings auch noch der Verdacht aufkommt, dass der vorgeblich wichtigste Weinführer Deutschlands sich "fragwürdiger Instrumente der Finanzierung" bedient und zudem diverse Winzer, die - nach bisher Meinung desselben Weinführers - zur Spitzengruppe der deutschen Weinszene gerechnet werden mussten, dort gar nicht mehr publiziert werden möchten, wieviel Wert hat dann eigentlich noch der Kauf des Gault Millau ?
In den vergangenen Jahren wurde immer gerne über die geringe Aussagekraft der von diversen Landes-Weinbauverbänden vergebenen Gold-/Silber- und Bronzemedaillen (auch aufgrund der zu zahlenden "Start-Prämien") diskutiert. Wieviel Aussagekraft wird denn zukünftig eine Publikation im Gault Millau noch haben, wenn diverse "Leistungsträger" dort fehlen oder aber, gegen Ihren erklärten Willen, publiziert und (möglicherweise plötzlich abwertend) bewertet werden ?
Und wenn anderseits klar ist, dass ein nennenswerter Teil der aufgeführten und bewerteten Winzer einen finanziellen Beitrag an den Gault Millau geleistet haben, der Gegenstand heftiger Diskussionen ist.
Fazit:
Wer (letztendlich) vom Image der "neutralen Instanz" lebt, der sollte besser einen "weiten Bogen" um alles machen, was ihn (berechtigt oder unberechtigt) in die Nähe des Vorwurfs der "Käuflichkeit" rückt.
Aus meiner Sicht hat der Gault Millau mit der genannten Aktion diese Vorsicht sträflichst vernächlässigt und sich, wie auch der gesamten journalistischen Weinkritik, "ein gigantisches Eigentor geschossen".

Der heutige Rücktritt von Herrn Diel aus der Redations-Verantwortung des Gault Millau mag kurzfristig zwar die Aufmerksamkeit der Weinliebhaber von diesem Befund ablenken, ändert aber im Grundsatz nichts:

Den Schaden dürften weniger die unterzeichnenden Winzer haben, sondern der gesamte deutsche Wein-Journalismus.
A. Schneider | 09.07.2009 - 21:49

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