Montag, 16.04.2007

Gravurenstreit


Was nun die angeblich neuzeitlichen Gravuren betrifft, stehen zwei Expertisen gegeneinander. Die amerikanische wird vom stern ausführlich zitiert und der Experte genannt. Allerdings verrät der Text nichts über die Methode mit der der US-Experte zu seinem Befund gelangt ist. Auch in Europa hat es solche Untersuchungen gegeben und zwar 1985 für die Expertise, die dem damaligen Katalogtext von Christies bei der Versteigerung der Forbes-Flasche zu Grunde lag. Und eine weitere Untersuchung im November vergangenen Jahres. Beide hatten zum Ergebnis: Flaschen sind authentisch und die Gravuren ebenfalls. Was macht der stern daraus. Er verschweigt den Namen des englischen Experten und behauptet die Untersuchung sei ?nach Augenschein und spontan? erfolgt. Die zweite, jüngere Untersuchung bleibt unerwähnt.

Zweierlei Mass


Der Stern muss sich nach dieser Veröffentlichung vor allem eine Frage gefallen lassen: warum er die Kontrahenten journalistisch derart unterschiedlich behandelt. Über William ?Bill? Koch heisst es lapidar ?ein Sports- und Geschäftsmann, ein in Rechtshändeln bewährter Hausdegen.? Den Besuch bei Koch fassen die Rechercheure in 14 Zeilen zusammen: ?Der Mann, 66, gross, sportlich, ist das, was die Amerikaner ?flamboyant? nennen, schillernd. Er taugt als Hauptfigur für Fernsehserien: Er lebt in einer Villa in West Palm Beach. Donald Trumpp gleich nebenan. Er sammelt Geld, Ehefrauen, Kunst, Waffen, Schiffe und Wein. Sein Haus ist voll mit Dalís, Matisses und Monets. In einem Raum hängen antike Fresken. Überall stehen Schiffmodelle, Nachbauten aller America´s ?Cup ?Yachten; denn Koch ist ein Segler von Rang: 1992 holte er als Skipper den America´s Cup in die USA zurück.? Dieses freundliche Kurzporträt, das sich lies wie ein Liste von Bildunterschriften für Home and Garden, ist die Reisekosten ins sonnige Florida nicht wert und den Henry-Nannen-Preis, kann man damit auch nicht gewinnen.
banner

Anzeigen